Mit dem Passat in den Odenwald
02.11.2009 von jens würtenberg
Einen Passat Variant hält der freundliche Autovermieter diesmal für uns bereit, nach dem Motto: Kombi erhält, wer Kombi bestellt. Dem Leser dieser kleinen Serie im Blog sei hier aus gegebenen Anlass folgendes gesagt: Die Auswahl der hier beschriebenen Automobile ist rein zufällig, sie hängt davon ab, was unser Autovermieter just zu dem Zeitpunkt der Abholung disponiert hat. Wegen der großen Typenvielfalt m Angebot wurden wir, von einer Ausnahme abgesehen, für unsere gelegentlichen Wochenendfahrten immer wieder mit einen anderen Automobiltyp beglückt; Ford Ka, Opel Zafira, Jaguar XF, VW Touran, 3er BMW touring usw. usf. Diesmal also ist es die »Mutter aller Kombis«.
Einen Vergleich der Fahrzeuge untereinander haben wir uns bisher verkniffen. Da aber die erste Amtshandlung zur Reisevorbereitung, wie beim 3er BMW touring in der Woche davor auch, im Ausbau der Traverse mit dem Sichtschutzrollo bestand, stellen wir hier fest: bei gleich guter Bedienbarkeit punktet der Wolfsburger gegenüber der Konkurrenz aus München damit, dass das Teil nur etwa halb so schwer ist. Die VW-Ingenieure haben in den vielen Jahren den Passat Variant zu einem gebrauchstauglichen Fahrzeug gemacht, an dem nicht mehr viel auszusetzen ist. Aus der Sicht des Kunden jedenfalls, der sich das Fahrzeug über das Wochenende ausgeliehen hat, um ein paar Sachen zu transportieren oder mit mehreren Leuten ein Skiwochenende in den Bergen veranstalten möchte. Nun ja, die Rückspiegel sind nicht beheizbar. Es hatte geregnet und die Regentropfen auf den Spiegeln sind störend. Es bleibt nur: anhalten und eigenhändig sauber wischen. Die Sicht durch die Frontscheibe in den wechselnden Witterungen gehört ja generell zu den Problempunkten des Automobilbaus, Scheibenwischer und Gebläse reichen eben nicht immer aus. Der Passat hingegen bläst ausreichend warme Luft auf die Innenseiten der Scheiben und macht damit seinem Namen erstmal Ehre.
Passatwinde sind die beständigen Winde nördlich und südlich des Äquators, die schon Kolumbus für seine Fernreisen in die Karibik nutzte (wir erinnern uns: 1492 mit der Santa Maria). Angetrieben von der Coriolis-Kraft lassen sie im Großsegler die Wanten knarren und die Belegnägel in der Nagelbank ächzen. Wer übrigens einmal das Glück hatte, auf einem Großsegler Teil der Crew zu sein, wird es im Passat durchaus vermissen. Dort ächzt und knarrt nichts, auch das sanfte Wiegen des Schiffsrumpfs oder gar das Auf- und Ab-Stampfen im hohen Seegang wird vom Kombi aus Wolfsburg nicht simuliert. Vielmehr liegt das Fahrzeug, obwohl komfortabel gefedert, ohne Nickschwingungen oder Karosserieneigungen auf der Straße.
Lobend zu erwähnen ist der große Tank. Mit dem Inhalt von rund 70 l (Diesel) und einem Durchschnittsverbrauch von 5,6 l auf 100 km (VW-Angaben) beträgt die Reichweite mehr als 1200 km. Auch der Bordcomputer kommt bei voll betanktem Fahrzeug auf eine vergleichbare Reichweite, nur, dass der Vor-Ausleiher den Verbrauch auf mehr als 6 l getrieben hatte. Dieser Wert sinkt auf der langen Autobahnfahrt auf einen Wert im Bereich der Werksangabe. Der Bordcomputer gibt seine Informationen über ein bernsteinfarbiges Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser preis. Bei der Anzeige des Momentanverbrauchs schneidet die Lösung des 3er BMWs jedoch besser ab: Während VW alle paar Sekunden einen neuen digitalen Wert anbietet, haben sich die Münchner für ein analoges Zeigerinstrument entschieden. So etwas hatte ich vor 20 Jahren schon einmal in meinem Fiat Uno 75. Das Gerät ist ungemein nützlich: Die Anzeige reagiert auf Bewegungen des Gaspedals sofort und bietet damit dem Fahrer das Gefühl, sich im Kennfeld von Geschwindigkeit und Verbrauch fortwährend in einem Optimum zu bewegen.
Wer allerdings mit Bleifuß fährt,
für den hat sowas keinen Wert.
Ich hingegen finde es praktisch, aber die Kosten für ein zusätzliches echtes analoges 110-Grad-Zeigerinstrument im Display sind für ein Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse wohl zu hoch. Dann allerdings wäre zu fragen, warum der Drehzahlmesser als großes Rundinstrument ausgeführt wird, obwohl bei den deutlich langsameren Änderungen der Motordrehzahl eine Digitalanzeige völlig ausreichen würde.
Zum Abschluss der Fahrt kommt bei einem Leihwagen das Tanken. Der Passat stellt dem Fahrer dabei eine kleine Prüfungsaufgabe: Wo ist der Knopf für das Öffnen des Tankschutzdeckels? Ich erinnerte mich an den Leih-Golf vor einigen Jahren, damals zeigte mir der nette Tankwart das Hebelchen vorne links im Fußraum. Hier, beim Passat, Fehlanzeige. Die Konstrukteure haben sich wieder mal anders entschieden. Der Druck auf eine Taste links von der Mitte des Armaturenbretts macht den Weg frei für das Einsetzen der Tankpistole. Auch für den Autofahrer gilt offenbar, was im Ingenieurberuf schon lange bekannt ist: Nach 10 Jahren ist das mühsam angeeignete Fachwissen überholt; darum ist es ja auch so wichtig, Fachzeitschriften zu lesen.
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