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Konsequenz des VW-Skandals: SCR-Katalysatoren in Diesel-Fahrzeugen: Chinaschwäche wiegt schwerer als VW-Skandal

Mehr als eine Verkaufsdelle am Ende des letzten Jahres konnten die Analysten von IHS bei der Auswertung der Verkaufszahlen für Personendieselfahrzeuge in Europa nicht feststellen. Für die Bauelemente-Zulieferer könnte der Skandal aufgrund der nun präferierten wirkungsvolleren Lösungen zur Abgasreinigung sogar positive Auswirkungen haben.

Jérémie Bouchaud, Director Automotive & Industrial Semiconductor, Sensors bei IHS:» Die Verkaufszahlen für Dieselfahrzeuge in Europa haben etwas nachgegeben, aber sie sind nicht dramatisch eingebrochen«, bewertet er die bisherigen Auswirkungen des VW-Skandals für die europäischen Autobauer und speziell für VW, den zweitgrößten Automobilhersteller der Welt.

Nach wie vor beträgt der Verkaufsanteil der Diesel-PKWs in den 28 Staten der EU mehr als 50 Prozent, so der IHS-Analyst. Welche Auswirkungen der Skandal dagegen in den USA haben wird, wo Dieselfahrzeuge bisher eine sehr überschaubare Rolle gespielt haben, bleibt nach Einschätzung der Experten abzuwarten.

Direkte Auswirkungen des VW-Skandals auf die Nachfragesituation im Bauelemente-Bereich, etwa bei aktiven und passiven Bauelementen, befürchten Branchenkenner des deutschen Bauelementemarktes, wie etwa Harald Sauer, Director Sales& Markting bei Taiyo Yuden Europe deshalb bislang nicht: »Die Nachfrage nach Neuwagen wird durch diesen Skandal nicht beeinflußt, die Auswahl der Automarke wohl schon. Für die Tier 1, die Kunden der Komponenten-Lieferanten, kann dies mehr oder weniger Aufträge bedeuten, je nachdem, bei welchem Projekt oder Hersteller sie überwiegend engagiert sind.«

Auch Rudolf Strasser, President TDK Europe, ist sich sicher: »Die Krise betrifft den VW-Konzern und strahlt nicht auf die Absatzzahlen der weltweiten Automobilindustrie aus. Vor diesem Hintergrund registrieren wir bislang auch keine negativen Auswirkungen auf den Bedarf an passiven Bauelementen im Automotive-Bereich.« »Es wird durch den VW-Skandal Verschiebungen des Motor- und Hersteller-Mixes am Markt geben«, schätzt Olaf Lüthje, Vice President Marketing bei Vishay Passives. »Wir rechnen aber im Gefolge des Skandals mit einem erhöhten Bedarf an Bauelementen für Austauschsteuerungen und komplexere Abgasreinigungssysteme.«

Diese Einschätzung teilt Marc Reiterer, Reginal Director Central Europe bei Avnet Abacus: »Notwenige hardwareseitige Überarbeitungen im Zuge einer Austauschaktion werden sicherlich zu einem kurzfristigen Mehrbedarf führen.« Auch sein Kollege Florian Freud, Regional Technical Director bei Avnet Memec – Silica, sieht in den höheren Anforderungen den Auslöser für zusätzliche oder höherwertige Elektronik: »Das war bisher praktisch immer so. Es sind die Sensoren und die Beschleunigung der Regelkreise, die eine präzise Signalverarbeitung und dadurch immer effizientere Motoren ermöglichen«.