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Abschlussbericht der C-ITS Platform: Europäische Leitlinien für die Fahrzeugvernetzung

In den USA gibt es bereits konkrete Pläne, die Ausrüstung mit V2X-Technik gesetzlich vorzuschreiben. Soweit ist man in Europa noch nicht. Immerhin hat sich nun eine europäische Arbeitsgruppe auf technische und rechtliche Leitlinien für die Fahrzeugvernetzung geeinigt.

Bildquelle: © EU
Sitz der Europäischen Union in Brüssel.

Cooperative Intelligent Transport Systems (C-ITS) – unter diesem Schlagwort will die EU die Fahrzeugvernetzung in Europa voran bringen. Dazu haben sich Vertreter von EU-Kommission, Industrie und Behörden auf ein umfangreiches Arbeitspapier geeinigt: Der 140-seitige Abschlussbericht der C-ITS Platform geht sowohl auf technische Details als auch auf Fragen zur rechtlichen Umsetzung, zum Datenschutz oder zu internationalen Kooperationen ein. Die Plattform besteht aus rund 120 Experten, die sich seit Juli 2014 monatlich in Arbeitsgruppen getroffen haben. Zu den Experten gehören neben EU-Vertretern auch Mitarbeiter von Automobilherstellern, Zulieferern, Telekommunikationsunternehmen oder Straßenverkehrsbehörden.

In technischer Hinsicht ist beim Abschlussbericht insbesondere die Festlegung auf eine hybride Kommunikationsform interessant. Zurzeit konkurrieren zwei sehr unterschiedliche Techniken für die Fahrzeugvernetzung: backendbasierte Kommunikation über das Mobilfunknetz einerseits und Ad-hoc-Vernetzung per WLAN-Derivat andererseits. Beide Techniken haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Insofern ist der Beschluss der C-ITS Platform beide Übertragungsformen zuzulassen nur konsequent. Konkret bedeutet dies, dass C-ITS-Nachrichten „access-layer agnostic“ sein müssen, sich also unabhängig von der gewählten Kommunikationstechnik übertragen lassen müssen.

Automobilhersteller favorisieren momentan die mobilfunkbasierte Vernetzung, bei der die Nachrichten auf einem zentralen Server gespeichert und von dort an andere Verkehrsteilnehmer geschickt werden. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass es auch schon bei einer sehr geringen Anzahl von entsprechend ausgerüsteten Fahrzeugen praktisch nutzbar ist. Bislang setzen die OEMs allerdings dafür jeweils auf firmeneigene Lösungen. Eine der Herausforderungen bei der Einführung einer europaweiten Fahrzeugvernetzung ist deshalb der notwendige Brückenschlag zwischen bislang nicht kompatiblen Lösungen der einzelnen Hersteller.

Mobilfunkbasierte Lösungen haben zudem das Problem, dass die Übertragungsgeschwindigkeit für manche Anwendungen, wie etwa Warnungen vor entgegenkommendem Verkehr bei Überholmanövern, nicht hoch genug ist. Hier schlägt die Stunde der spontanen Vernetzung per Direktfunkverbindung. Als Übertragungstechnik kommt dabei ein WLAN-Derivat zum Einsatz, das im IEEE-Standard 802.11p spezifiziert ist. In Europa ist diese Technik über den ETSI-Standard ITS-G5 definiert. Für die Ad-hoc-Vernetzung empfiehlt die C-ITS Platform konkrete Frequenzbereiche: 5,855 GHz bis 5,875 GHz, 5,905 GHz bis 5,925 GHz sowie 63 GHz bis 64 GHz.

So schnell per Direktfunkverbindung auch kommuniziert werden kann – eine solche Verbindung kommt eben nur dann zustande, wenn alle betroffenen Verkehrsteilnehmer entsprechend ausgerüstet sind. Gerade bei der Einführung von V2X-Systemen ist dies jedoch zunächst nur sehr selten der Fall. Daher spricht auch alles für eine hybride Lösung, welche die Stärken beider Vernetzungstechniken kombiniert.