VDMA: Produktpiraterie kostet Maschinenbau Milliarden

Trotz hervorragender wirtschaftlichen Rahmenbedingungen leiden der Maschinenbau und die Automatisierungstechnik unter einem gemeinsamen Problem, das sich immer gewichtiger darstellt: der Produktpiraterie. Mit verschiedenen Kampagnen macht der VDMA auf dieses Thema aufmerksam und will „das Bewusstsein für Originalprodukte im Maschinen- und Anlagenbau stärken“.

„Man muss als Meister damit leben, dass man illegal kopiert wird“, lautet eine chinesische Weisheit. Für diesen philosophischen Ansatz hat Rainer Glatz, Geschäftsführer des Fachbverbands Elektrische Automation innerhalb des VDMAs, zumindest im Maschinenbau und in der Automatisierungstechnik kein Verständnis: „Für mich ist das illegale kopieren ein krimineller Akt.“ Illegale Kopien würden nicht nur das Geschäft beeinträchtigen sondern auch Menschenleben gefährden.

Wie dringlich dieses Problem mittlerweile geworden ist, hat eine Umfrage unter den VDMA-Mitgliedern ergeben. Die betroffenen Unternehmen teilten mit, dass in 60 Prozent der Fälle komplette Maschinen nachgebaut wurden. „Vor einem Jahr waren es erst 43 Prozent“, so Glatz. Ersatzteile folgen mit 42 Prozent und Komponenten mit 41 Prozent. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Unternehmen werden durch eigene Marktbeobachtungen auf die Plagiate aufmerksam. Die Hälfte der Unternehmen konnte Plagiate der Waren auf Messen ausmachen.

„Die Produktpiraterie hat eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Dimension erreicht, wir schätzen den Schaden, der den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern 2006 entstanden ist, auf über 5 Milliarden Euro“, so Glatz. Drei Viertel der betroffenen Unternehmen sähen durch unzulässige Nachbauten langfristig sogar ihre Wettbewerbsfähigkeit bedroht.

Der VDMA hat es sich zur Aufgabe gemacht, als Verband zusammen mit seinen Mitgliedsunternehmen gegen die Tätigkeit von illegalen Kopierern und Produktfälschern vorzugehen. Immer mehr Mitglieder würden auf präventive Maßnahmen gegen Produkt- und Markenpiraterie einsetzen. „Der technologische Kopierschutz gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung“, so Glatz.

Gleichzeitig begleitet der VDMA das BMBF-Verbundprojekt „Informations-, Kommunikations- und Kooperationsplattform für präventiven Schutz vor Produktpiraterie“. „Ziel dieser Innovationsplattform ist es, präventiv ein Netzwerk von Partnern aus dem Bereich des Plagiatsschutzes zu bündeln, um mit Hilfe von Kooperationsmechanismen zu informieren und zu kommunizieren“, erklärt Edwin Steinebrunner vom Projektträger Forschungszentrum Karlsruhe.

Um den Käufern ein Bewusstsein für den Wert von Originaltechnologie zu schaffen, hat der VDMA die Kampagne „Pro Original“ gestartet. „Damit wollen wir deutlich machen, dass ein herausragendes Produkt nur mit Originaltechnologie erzielt werden kann“, so Glatz. Die Kernargumente seien Qualität, Innovation, Effizienz, Erfahrung und Sicherheit.

Besucher der SPS/IPC/DRIVES können sich auf dem VDMA-Messestand (Halle 4A, Stand 370) von der Dreistigkeit der Fälscher überzeugen. Der VDMA zeigt nämlich einige Beispiele von Plagiaten und erklärt, wie der Hersteller des Originals dagegen vorgegangen ist.