VDI-Studie: Potenziale nicht ausgeschöpft

Eine Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des VDI zeigt, dass Unternehmen die Automatisierungstechnik nicht voll ausreizen. Darunter leidet die Produktivität.

Die VDI-Studie wurde im Rahmen des Kongresses »Automation 2009« am 16. und 17. Juni 2009 in Baden-Baden veröffentlicht. Sie zeigt, dass bislang zwei von drei Betrieben in Deutschland einzelne Automatisierungstechniken nicht nutzen. Professor Gerald Gerlach, Vorsitzender der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA): »Viele Unternehmen verkennen das wirtschaftliche Potenzial von Automatisierungstechniken. Beispielsweise lassen sich Faktoren wie Arbeitsproduktivität und Termintreue deutlich erhöhen.«

Im Fokus der Untersuchung standen dabei nicht einzelne Komponenten, sondern Verfahren wie die Vernetzung von CAD und Maschinenprogrammierung (CAD-CAM), Industrieroboter/Handhabungssysteme (IR), rechnergeführte Lager-/Materialfluss-Systeme (RLMS) und prozessintegrierte Qualitätskontrolle (PI-QS). Befragt wurden 1663 Betriebe des deutschen verarbeitenden Gewerbes in der Metall-, Elektro-, chemischen und Kunststoff-Industrie.

Ernüchternde Ergebnisse

Bislang nutzen nur etwa 40 Prozent der befragten Unternehmen regelmäßig moderne Automatisierungstechniken. Der Anteil der Intensivnutzer liegt etwa bei 14 Prozent - die Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung sind damit noch lange nicht ausgeschöpft. Die Studie belegt, dass ein positiver Zusammenhang zwischen der Nutzung von Automatisierungstechniken und den wirtschaftlichen Zielgrößen besteht: Das Einbinden von Industrierobotern wirkt sich positiv auf die Auftrags-Termintreue aus; RLMS hat positiven Einfluss auf die Arbeits- und Gesamtproduktivität; prozessintegrierte Qualitätssicherung verbessert die Termintreue, die Ausschussquote und damit die Arbeitsproduktivität.

Prof. Gerald Gerlach rechnete an einem Beispiel vor: »Bei einem Verzicht auf RLMS beträgt die Arbeitsproduktivität je Mitarbeiter 79.000 Euro. Nutzt man hingegen RLMS in hohem Umfang, ergibt sich eine Summe von 97.900 Euro.« Zum Schluss verwies er darauf, dass zu wenige Betriebe automatisierte Produktionstechniken nutzten. »Das muss sich ändern. Andernfalls geht uns Produktivität, pure Wirtschaftskraft und damit internationale Wettbewerbsfähigkeit ohne Not verloren.«

Automation 2009 ein Erfolg

352 Teilnehmer folgten der Einladung des VDI Wissensforum zum jährlichen Automatisierungskongress nach Baden-Baden - mit so vielen hätten die Verantwortlichen wegen der Wirtschaftskrise nicht gerechnet. Dieses Jahr stand der Kongress Automation 2009 unter dem Motto »fit for efficiency«. Erstmals konnten die Verantwortlichen aus 200 eingereichten Beiträgen das Programm zusammenstellen. Im Mittelpunkt der 80 ausgewählten Vorträge stand das Optimieren von Potenzialen in der Mess- und Automatisierungstechnik.

Für viele der Teilnehmer ist der Kongress der Automatisierungstreff im deutschsprachigen Raum. Sie schätzen vor allem die Vielfalt der Beiträge und den Austausch zwischen Anwendern und akademischen Forschungsgruppen.