Struktur tut Not

Um die technischen Dokumentationen von Maschinen und Anlagen mit all ihren Komponenten effizient aufbereiten und verwalten zu können, haben die Mitgliedsfirmen des VDMA "mumasy" geschaffen: einen XML basierten Standard zur strukturierten Erstellung und Verwaltung von Produktinformationen.

Um die technischen Dokumentationen von Maschinen und Anlagen mit all ihren Komponenten effizient aufbereiten und verwalten zu können, haben die Mitgliedsfirmen des VDMA "mumasy" geschaffen: einen XML basierten Standard zur strukturierten Erstellung und Verwaltung von Produktinformationen.

Der deutsche Maschinenbau hat die Fertigungstiefe in der Vergangenheit massiv reduziert, so dass Maschinen und Anlagen - früher Teil für Teil beim Hersteller entwickelt, konstruiert und gefertigt - heute in der Regel als Zulieferteil bezogen werden.

Sowohl die Konstruktion als auch die Produktion der Maschinen und Anlagen sind auf den Umgang mit Zulieferteilen eingestellt. Die Konstrukteure "denken" verstärkt in Komponenten, deren Schnittstellen mit dem Zulieferer zu definieren sind, damit sich die zugekauften Teile ohne Nachbearbeitung in die Maschine oder Anlage integrieren lassen. Denn erst das Zusammenspiel aller Komponenten löst die immer komplexeren Funktionen einer Maschine oder Anlage.

In der Technischen Produktdokumentation sieht es bis dato anders aus. Maschinen und Anlagendokumentationen bestehen nicht selten aus einer Vielzahl von Ordnern, in denen im Wesentlichen die für den bestimmungsgemäßen Gebrauch des Produktes notwendigen Dokumente und Beschreibungen enthalten sind.

Die Produktdokumentation hinkt hinterher

Laut EG Maschinenrichtlinie sind die Zulieferdokumentationen in die Herstellerdokumentation zu integrieren. Dazu sind wegen der unterschiedlichen Datenformate auf Herstellerseite aufwendige Redaktionsprozesse notwendig. Aus Zeitgründen vermeiden Hersteller diese Redaktionsprozesse vielfach, so dass Anlagenbetreiber häufig nur separate Dokumente für die Zulieferteile finden, die der Herstellerdokumentation ohne weitere redaktionelle Bearbeitung beigelegt werden. Der Umfang dieser Dokumente übersteigt nicht selten den Umfang der Dokumente des Herstellers. Die Herstellerdokumentation verweist dann allenfalls auf die Ablage Orte der Zulieferdokumentation, Verweise zwischen den Zulieferdokumenten sind unwahrscheinlich. Eine Vielzahl von Informationen ist aber zum Beispiel nur für die Montage beim Hersteller relevant und nicht für den Betrieb der Gesamtmaschine.

Das Dilemma ist vorprogrammiert: Der Benutzer einer Maschine oder Anlage sieht ein mehr oder weniger homogenes Produkt vor sich als Ergebnis von Konstruktion, Dokumentation und Produktion. Sowohl funktional als auch baulich ordnen sich alle Teile des Produktes einer Gesamtaufgabe unter und stehen zur Erfüllung der Aufgabe in Beziehung zueinander. Aber: Benötigt der Benutzer Informationen einer bestimmten Komponente, muss er das Produkt zunächst gedanklich wieder in seine Einzelteile zerlegen. Gelingt dieses "Re Engineering", kann er den Hersteller der Komponente identifizieren und kommt so zur benötigten Information in der entsprechenden Herstellerdokumentation, um sein konkretes Problem zu lösen. Wie zeitaufwendig dieser Prozess ausfallen kann, ist leicht vorstellbar.