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Interview mit Franz Gruber von Forcam: Industrie 4.0: Nicht zögern, sondern handeln!

In Sachen Industrie 4.0 herrscht hierzulande geschäftige Betriebsamkeit, aber die entsprechenden Aktivitäten in den USA geraten dabei leicht aus dem Blickfeld. Dies wäre jedoch fatal, wie Franz Gruber, Geschäftsführer der Forcam GmbH, erläutert.

Franz Gruber, Forcam: »Das Industrial Internet schreitet in den USA in Riesenschritten voran und wird zu neuen Produkten, neuen Smart Factories und neuen Wertschöpfungsketten mit Kunden und Lieferanten führen.« Bildquelle: © Forcam

Franz Gruber, Forcam: »Das Industrial Internet schreitet in den USA in Riesenschritten voran und wird zu neuen Produkten, neuen Smart Factories und neuen Wertschöpfungsketten mit Kunden und Lieferanten führen.«

Markt&Technik: Sie haben vor kurzem gesagt, in den USA gehe in Sachen digitale Produktion »die Post ab«. Was meinen Sie damit konkret?

Franz Gruber, Forcam [1]: Erstens hat dort das Industrial Internet - also die Revolution, die wir in Europa Industrie 4.0 nennen - längst alle Branchen erfasst. Das hat mir die wichtigste Branchenmesse Nordamerikas, die IMTS, im September in Chicago gezeigt. In der fertigenden Industrie dort sind Begriffe wie Interoperabilität aller Maschinen, Echtzeit-Visualisierung und Standort-Steuerung via Tablet und Smartphone keine Fremdwörter mehr. Zudem haben die Amerikaner das Schnittstellenproblem, also das Thema Anschluss der Maschinen an Cloud-Anwendungen, mit dem offenen Standard MTConnect längst gelöst. Dieser Standard überrollt den Weltmarkt und wird nicht mehr gebremst werden. Wir können nur noch auf den Zug aufspringen. Man kann auch sagen: Die IT-affineren Amerikaner haben ihre Nachteile im Hardware-Bereich durch Software kompensiert. Zweitens fördert die Regierung Obama das Industrial Internet zügig mit Milliardensummen.


Oft ist hierzulande zu hören, dass die USA in Sachen Produktionstechniken und Produktionsverfahren Deutschland deutlich hinterher seien. Stimmt dies also nicht?

Es ist eine grobe Fehleinschätzung! Das Beispiel MTConnect habe ich genannt. Das Industrial Internet schreitet in den USA mit Riesenschritten voran und wird zu neuen Produkten, neuen Smart Factories und neuen Wertschöpfungsketten mit Kunden und Lieferanten führen. Da geht es nicht mehr allein um IT-Technik, sondern auch um neue Verfahrensprozesse wie 3D-Printing und 3D-Laser-Scanning, um neuartige Produkte und Service-Leistungen sowie um das große Thema Energie- und Ressourceneffizienz. Im Gegensatz zu unserer Definition einer »vierten Stufe« industrieller Produktion sehen die Amerikaner eher eine Evolution hin zur Smart Factory, sie sehen einen zusammenhängenden, dreiphasigen Prozess. Da sind erstens die industriellen Revolutionen, wie wir sie alle kennen. Die zweite Phase ist für die Amerikaner das Internet und die jetzige dritte Phase die Verschmelzung von Internet-Prozessen und -Techniken.