Modellstadt Skolkovo Siemens baut an der energieeffizientesten Forschungsstadt Russlands

Der Hypercube bietet auf sieben Etagen Büroräume für Start-ups sowie für Skolkovo-Partnerunternehmen wie Siemens, IBM und Cisco. Siemens wird rund 40 Mio. Euro in sein Forschungszentrum investieren.

Forschungszentrum aus der Retorte: Bis 2015 entsteht nahe Moskau eine ökologisch nachhaltige Wissenschaftsstadt, die Forscher aus aller Welt nach Russland locken soll. Siemens engagiert sich als Partner und macht Skolkovo mit eigenen Technologien zu einem Vorzeigeprojekt in Sachen Energieeffizienz.

Zu Beginn des Jahrtausends lebten nur einige hundert Menschen in Skolkovo, einem kleinen Dorf südwestlich von Moskau. Unberührte Natur und Landwirtschaft prägten das Bild dieser Naherholungsregion des Bezirks Odinzovo. Nach einer Ankündigung von Präsident Dmitry Medvedev im November 2009 sollte es sich drastisch ändern.  Bis zum Jahr 2015 wird auf dem 380 Hektar großen Areal eine staatlich geförderte Planstadt für 25.000 Einwohner errichtet.

Der Projekttitel lautet »Skolkovo-Innograd«, Innovationsstadt Skolkovo. Im Fokus steht ein Technologiepark und eine Universität, das Skolkovo Institute of Technology (SIT). Hier sollen die fünf Technologiebereiche Energieeffizienz, Nukleartechnik, Medizin, Weltraum sowie Computer und Telekommunikation interdisziplinär erforscht werden. Ziel ist es, internationale Studenten und Wissenschaftler anzuziehen und eine Art russisches Silicon Valley zu schaffen. Auch die Stadt selbst soll technologisch innovativ sein. Man setzt auf Nachhaltigkeit und will sämtliche Schadstoffbelastungen minimieren. Mehr als 50 Prozent des Energiebedarfs wird von erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden.

Mit dem Projekt will die russische Regierung den technologischen Anschluss an die führenden Industrienationen herstellen. Geleitet wird das Vorhaben von der nichtkommerziellen Skolkovo-Innograd-Stiftung unter dem Vorsitz von Viktor Vekselberg, dem Gründer und Eigentümer der Investmentfirma Renova Holding. Die Kosten für die Modellstadt belaufen sich laut Viktor Maslakov, City-Manager bei der Skolkovo-Stiftung, auf ca. 3 Mrd. Euro. Diese sollen je zur Hälfte durch den russischen Staat sowie von privaten Investoren getragen werden. Deshalb wirbt der Staat aktiv um Investitionen ausländischer Unternehmen und Start-up-Firmen. Zu diesem Zweck wurden sogar eigene Steuergesetze verabschiedet, die Unternehmen steuerliche Vorteile bieten.

Ein Investor der ersten Stunde ist Siemens. Im Jahr 2010 unterzeichnete Siemens als erstes deutsches Großunternehmen eine strategische Partnerschaft mit den Initiatoren von Skolkovo. Neben weiteren Partnern wie dem staatlichen russischen Nanotechnologie-Unternehmen Rusnano, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT), Boeing oder Google befindet man sich dabei in namhafter Gesellschaft. Siemens beteiligt sich am Aufbau der städtischen Infrastruktur und lässt sein Know-How bei Gebäudetechnologien, Wasseraufbereitungstechnik, dem öffentlichen Verkehr und Energieeffizienz-Lösungen einfließen. Dr. Reinhold Achatz, der Forschungschef von Siemens, stellte fest, dass »das Skolkovo-Projekt mit seinen Schwerpunkten hervorragend in die Strategie von Siemens passt, das im attraktiven russischen Markt auf Differenzierung und Nachhaltigkeit setzt«. Mit etwa 150 Mitarbeitern wird in Skolkovo einer der größten internationalen Forschungs- und Entwicklungsstandorte des Unternehmens aufgebaut.

Seitens der russischen Führung verspricht man sich von dem Projekt eine symbolische Wirkung über die Grenzen Moskaus hinaus. Doch auch wenn nahe Moskau eine am Schreibtisch entworfene Stadt nach modernsten Standards entsteht, kann dies nicht über die Missstände Russlands hinwegtäuschen. So muss auch Stiftungsleiter Viktor Vekselberg zugeben: »Skolkovo kann nur ein Anfang auf dem langen Weg der Modernisierung sein«. In Skolkovo solle in kleinem Rahmen ausprobiert werden, wie man die bestehenden Probleme des Landes lösen könne.

Die Bildergalerie zeigt, dass in Skolkovo bereits heute Technologien aus Deutschland zum Einsatz kommen.

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Wissenschaftsstadt Skolkovo

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