Sicherheit per Schlüssel

Zur Absicherung von Schutztüren an Maschinen und Anlagen sind Sicherheitsschalter, -sensoren und -zuhaltungen Stand der Technik. Eine Alternative sind Schlüsseltransfersysteme, die bislang vor allem im angelsächsischen Raum verbreitet sind.

Zur Absicherung von Schutztüren an Maschinen und Anlagen sind Sicherheitsschalter, -sensoren und -zuhaltungen Stand der Technik. Eine Alternative sind Schlüsseltransfersysteme, die bislang vor allem im angelsächsischen Raum verbreitet sind.

Möchte ein Maschinen- und Anlagenbauer seinen Produkten zusätzliche Flexibilität verleihen, gibt es ein probates Mittel: Er verlagert Maschinenfunktionen von der Hard- in die Software oder von der Komponenten- auf die Programmierebene, und versetzt die Maschine damit in die Lage, zum Beispiel unterschiedliche Produkte oder Formate verarbeiten zu können, ohne sie aufwendig umrüsten zu müssen.

Doch diesen Trend greifen nicht alle Unternehmen auf. So gibt es zum Beispiel Verpackungsmaschinen-Hersteller, die an der vermeintlich altmodischen Formatverstellung per Handrad festhalten, weil die Elektronik hier keineswegs prinzipiell schneller und einfacher ist. Und in verschiedenen Bereichen des Maschinen- und Anlagenbaus haben Unternehmen bei der Maschinensicherheit zu einem einfachen, rein mechanischen System gewechselt - unter anderem mit der Begründung, dass es höhere Flexibilität erlaubt als ein vergleichbarer elektronischer Ansatz. Die Rede ist vom SHGV-Schlüsseltransfersystem von Elan, dessen Wirkprinzip simpel anmutet: Jeder Schutztür ist ein Schlüssel zugeordnet, der in das Schloss einer Zuhaltung passt. Im Normalbetrieb der Maschine befindet sich der Schlüssel in einer Zentraleinheit - der sogenannten SVE-Einheit. Will der Bediener die Schutztür öffnen, zieht er den Schlüssel dort ab und bringt dadurch die gefahrbringenden Bewegungen sicher zum Stillstand beziehungsweise stoppt die Maschine. Nun kann der Bediener mit dem Schlüssel die Zuhaltung entriegeln und damit die Schutztür öffnen, die in der Sperre der Zuhaltung festgehalten wird. Starten lässt sich die Maschine erst dann wieder, wenn die Zuhaltung geschlossen ist und der Schlüssel sich wieder im Schloss der SVE-Einheit befindet.

Keine Verkabelung nötig

Ein wesentlicher Vorteil dieses Systems besteht darin, dass es ohne Verkabelung zwischen Schalter und Steuerung auskommt - die Information wird durch den Schlüssel übertragen. Dies spart einerseits Kosten, da sich der Installationsaufwand reduziert; andererseits erhöht es die Flexibilität in einer Anlage, weil Bediener bei Bedarf auch "Last minute"-Änderungen schnell umsetzen können. Darüber hinaus ist die nachträgliche Installation eines Schlüsseltransfersystems in bestehende Maschinen leicht realisierbar.

Im Einsatz ist das rein mechanische Sicherheitssystem beispielsweise bei der Temafa Maschinenfabrik, die Anlagen zur Vliesstoffherstellung entwickelt und fertigt. Sie rüstete auf SHGV um, weil es bei den konventionellen Sicherheitsschaltern durch Faserflug und stetige Vibrationen an den großen Schutztüren zu ungeplanten Stillständen kam - mit der Folge, dass die Betätiger der Sicherheitsschalter nicht mehr sauber in den Schalter einfahren konnten.

Beim SHGV-System können die Konstrukteure jeder einzelnen Schutztür einen Schlüssel zuordnen oder für alle Schutztüren einen einheitlichen Schlüssel vorsehen. Oder die Anlage wird in mehrere Sicherheitskreise eingeteilt und jedem Sicherheitskreis ein Schlüssel zugeordnet. Auf Anregung von Temafa sind die Schlüssel für eine leichtere Zuordnung farblich markiert.

Die Temafa-Konstrukteure bringen die SVE-Einheiten teilweise direkt an der Maschine an und ordnen jedem Schlüssel einen Leuchttaster zu, der den Stillstand der Maschine anzeigt und damit auch deutlich macht, dass der Schlüsselwahlschalter abgezogen werden kann. Der Anwender muss dieses Signal quittieren und kann erst im Anschluss daran die Schutztür mit dem Schlüssel öffnen. So ist der Betriebszustand stets transparent.