Produktpiraterie: Deutschland nicht nur Opfer, sondern auch Täter

Die Produkt- und Markenpiraterie im Maschinenbau ist 2007 auf einem hohen Niveau geblieben, wie eine Mitgliederumfrage des VDMA zeigt. Überraschenderweise förderte die Umfrage zutage, dass 19 Prozent der von den Teilnehmern beklagten Plagiate aus Deutschland stammen.

Wenn es um das Problem der Produkt- und Markenpiraterie im Maschinenbau und anderen Branchen geht, sehen sich deutsche Unternehmen und deren Verbände in ihrer Gesamtheit gerne ausschließlich als Opfer und nicht als Täter. Mit dieser fast schon liebgewonnenen Sichtweise hat die neue Mitgliederumfrage des VDMA jetzt aufgeräumt: 19 Prozent der 241 Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, nannten Deutschland als Herstellungsland von Plagiaten.

Übertroffen wurde Deutschland damit nur von China mit 71 Prozent (Vorjahr: 75 Prozent). Auf den weiteren Plätzen folgten Italien mit 14 Prozent (Vorjahr: 17 Prozent), Taiwan mit 12 Prozent (Vorjahr: 12 Prozent), Indien mit 11 Prozent (Vorjahr: 14 Prozent), Südkorea mit 10 Prozent (Vorjahr: 12 Prozent) und die Türkei mit 8 Prozent (Vorjahr: 11 Prozent).

Erstmals wurde bei der Umfrage 2007 der Anteil Deutschlands als Herkunftsland von Nachbauten gesondert ausgewertet. Zu bedenken ist dabei zwar, dass die deutsche Maschinenbaubranche besonders groß ist und mit einem Weltmarktanteil von 15,3 Prozent den zweiten Rang hinter den USA (19,1 Prozent) belegt, während »Plagiate-Weltmeister« China mit 14,1 Prozent »nur« Dritter ist. Dennoch ist der jetzt ermittelte Anteil Deutschlands als Ursprungsland von Plagiaten erstaunlich hoch.

»Auch uns hat das überrascht«, betonte Dr. Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des VDMA. »Gerade in Zeiten harten globalen Wettbewerbs ist die Versuchung offenbar auch in Deutschland groß, technisches Know-how zu kopieren. Wir gehen aber als VDMA gegen deutsche Plagiatoren selbstverständlich genauso vor wie gegen chinesische oder indische«.