Potenzial ungenutzt

Drei Viertel aller RFID-Projekte in deutschen Unternehmen bringen nicht den erhofften Nutzen – so das Resultat einer branchenübergreifenden Unternehmensbefragung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT und der P3 Ingenieurgesellschaft. Die Hintergründe.

Drei Viertel aller RFID-Projekte in deutschen Unternehmen bringen nicht den erhofften Nutzen – so das Resultat einer branchenübergreifenden Unternehmensbefragung des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT und der P3 Ingenieurgesellschaft. Die Hintergründe.

Eine erfolgreiche Einführung der RFIDTechnologie (Radio Frequency Identification) in Unternehmen erfordert mehr als die isolierte Implementierung von RFID-Komponenten in ausgewählte Geschäftsprozesse. Neben der Integration und Optimierung der Prozesse, der Auswahl eines passenden Systems sowie einer genauen Wirtschaftlichkeitsprüfung ist auch ein effektives Projekt- und Change-Management unerlässlich. Die Studie von P3 und Fraunhofer IPT bestätigt Unternehmen eindeutig Defizite bei der Beachtung dieser Aspekte. Von den befragten Firmen gaben rund 100 – darunter mit 26 % als größte Gruppe der Maschinenund Anlagenbau – Auskunft zu ihren Erfahrungen mit RFID, der Zusammensetzung der verantwortlichen Projektteams, dem Ausmaß der Integration der Prozesse sowie zur Zufriedenheit mit ihren RFID-Projekten. Fast jedes vierte Unternehmen gab an, aufgrund mangelnder technischer Reife von RFID mit dem Resultat des Projektes nicht zufrieden gewesen zu sein.

Besonders die technischen Anforderungen bestehender RFID-Systeme werden oftmals unterschätzt. So gaben 30 % der befragten Unternehmen an, im Vorfeld ihrer RFID-Projekte auf eine technische Machbarkeitsstudie verzichtet zu haben. Fatal – denn längst nicht jedes RFID-System ist für die Integration in jeden Prozess sinnvoll, wie ein im Rahmen der Studie durchgeführter technischer Vergleich verschiedener Systeme belegt:

In einer realen Industriebedingungen nachempfundenen Labor-Umgebung wurden umfangreiche Reichweiten-, Orientierungs- und Materialtests durchgeführt. Darüber hinaus wurde das Verhalten von RFID in industriellen Anwendungen untersucht – etwa auf Förderstrecken, bei der Einlagerung im Regal oder der Pulkerfassung. Besonderes Augenmerk lag hierbei auf der Bewertung von Unterschieden zwischen Ultra-Hochfrequenz-Systemen (UHF) und Hochfrequenz-Systemen (HF). UHF-Systeme, so das Resultat der Versuchsreihen, bieten in aller Regel deutlich höhere Reichweiten als HF-Systeme. Infolge der Ausbreitungscharakteristik elektromagnetischer Fernfelder weisen sie jedoch örtliche Inhomogenitäten auf. Diese können dazu führen, dass spezielle Transponder-Konstruktionen erforderlich werden, um in bestimmten Anwendungssituationen noch ausreichende Auslese-Ergebnisse gewährleisten zu können. Somit lassen sich letztlich keine generellen Aussagen über die Eignung von HF- oder UHF-Systemen treffen. Vielmehr kommt es auf eine gewichtete Bewertung der Kriterien an, die für die jeweilige Anwendung von Bedeutung sind.

Schwierigkeiten ergeben sich des Weiteren aus der Art der Materialien, auf denen RFID-Komponenten aufgebracht werden sollen. Insbesondere metallische Oberflächen können die Funktionalität eines RFID-Systems empfindlich stören und zur völligen Unauslesbarkeit der Transponder führen. Speziell abgeschirmte On-Metal-Transponder lassen sich zwar auch auf metallischen Oberflächen auslesen, dies hat jedoch erhebliche Reichweiteeinbußen zur Folge. Anwender müssen mit einer Reduktion der Reichweite auf bis zu 10 cm rechnen. Diese und weitere technische Einschränkungen wie die Inkompatibilität bestehender RFID-Standards verdeutlichen die Notwendigkeit größter Sorgfalt bei der Implementierung von RFID-Systemen.