PC spielt Kamera

Wird über Software für GigE-Vision-Kameras gesprochen, sind meist die Treiber zur Erfassung der Kamera-Bilder gemeint. Stemmer Imaging geht mit dem in die Bibliothek Common Vision Blox (CVB) integrierten GigE-Vision-Server einen anderen Weg. Zu den Hintergründen äußert sich Peter Keppler, Vertriebsleiter Systemlösungen bei Stemmer Imaging.

Wird über Software für GigE-Vision-Kameras gesprochen, sind meist die Treiber zur Erfassung der Kamera-Bilder gemeint. Stemmer Imaging geht mit dem in die Bibliothek Common Vision Blox (CVB) integrierten GigE-Vision-Server einen anderen Weg. Zu den Hintergründen äußert sich Peter Keppler, Vertriebsleiter Systemlösungen bei Stemmer Imaging.

Herr Keppler, was hat es mit dem GigE-Vision-Server auf sich?

Keppler: Ein mit dem GigE-Vision-Server ausgerüsteter Rechner verhält sich wie eine vollwertige GigE-Vision- und GenICam-kompatible Kamera mit frei definierbaren Merkmalen. Dabei bleibt die Hardware-Unabhängigkeit von CVB komplett erhalten. Die Ausgangsdaten des GigE-Vision-Servers sind konform zum GigE-Vision-Standard und damit auch kompatibel zu standardkonformen Software-Schnittstellen anderer Anbieter. Dieses Konzept eröffnet für die Bildverarbeitung völlig neue Möglichkeiten: Im einfachsten Fall werden Bilder von der Festplatte, dem Speicher oder einer CVB-kompatiblen Erfassungs-Hardware über die Netzwerkschnittstelle weitergeleitet, um die Vorzüge der vereinfachten GigE-Vision-Kabeltechnologie zu nutzen. So können mit allen CVB-kompatiblen Erfassungs-Technologien entsprechende GigE-Vision-Kameras simuliert werden.

Der Rechner verhält sich wie eine Kamera?

Keppler: In jeder klassischen Bildverarbeitungs-Applikation auf PC-Basis gibt es diskrete Bildquellen und Bildempfänger. Im Normalfall ist die Kamera eine Bildquelle, die ihre Bilder zur Weiterverarbeitung an den PC sendet. In dieser Architektur ist der PC also normalerweise ein Bildempfänger, der die reinen Bilddaten auswertet und entsprechende Ergebnisse liefert – ein „Verarbeitungsrechner“ eben. Die Gigabit-Ethernet-Schnittstelle arbeitet jedoch bidirektional. Durch die Schnittstelle wird also zunächst nicht festgelegt, ob das angeschlossene Gerät als Sender oder Empfänger arbeiten muss. Das heißt, während eine Gigabit-Ethernet-Kamera bauart-bedingt zumeist nur als Bildquelle arbeitet, ist ein PC bei entsprechender Programmierung sowohl als Bildempfänger als auch als Bildquelle einsetzbar. In diesem Anwendungsfall kann der Rechner als „Bild-Server“ bezeichnet werden. Die gesendeten Bilder stammen dabei im einfachsten Fall aus dem Speicher oder von der Festplatte des Bild-Servers. Ebenso können an den Bild-Server aber auch weitere, unterschiedliche Bildquellen zur Aufnahme angeschlossen werden, die nicht zwangsläufig auf GigE-Vision-Technologie basieren müssen, sondern zum Beispiel über einen Cameralink-Grabber erfasst werden.

Der Ansatz des GigE-Vision-Servers ist, dass sich der beschriebene Bild-Server genauso verhält wie eine reine GigE-Vision-Kamera. Für den Verarbeitungsrechner ist es schließlich egal, ob er im Netzwerk als Bildquelle eine echte Kamera sieht oder ob ein Bild-Server eine Kamera simuliert. Wichtig ist nur, dass die notwendigen Bilddaten und die erforderlichen Eigenschaften im GigE-Vision-kompatiblen Format zuverlässig bereitgestellt werden. Der Anwender legt bei diesem Szenario fest, welche Eigenschaften der Kamera über den GigE-Vision-Server weitergeleitet werden beziehungsweise welche weiteren Eigenschaften diese Kamera bietet. So lassen sich parallel zum Bild auch die Ergebnisse der Verarbeitung wie zum Beispiel die gelesene Chargennummer bereitstellen.