PAC-Systeme: Langsames Vordringen auf leisen Sohlen

Noch immer ist in Deutschland von PACs, verglichen mit SPSen und Industrie-PCs, nur wenig die Rede. David Humphrey, European Research Director bei der Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft ARC Advisory Group, gibt Auskunft über die Bedeutung des PAC-Konzepts für die industrielle Steuerungstechnik und über die aktuelle Verbreitung der PACs.

Durch welche Merkmale zeichnen sich PACs aus?

David Humphrey: Generell sind PAC und SPS keine konkurrierenden Konzepte, sondern komplementäre. Der PAC-Begriff steht für eine Hardware-Plattform mit durchgängiger Kommunikation, die offene Standards wie TCP/IP, OPC oder XML unterstützt und den Zugriff auf eine gemeinsame »Tag«-Datenbank ermöglicht. Auf der Plattform laufen verschiedene Automatisierungsgeräte wie SPS, Motion Controller und Prozessleitsystem oder auch Applikationen mit Industrie-PCs. Über eine Highspeed-Backplane haben alle Anwendungen direkten Zugriff auf Daten anderer Anwendungen, ohne dass eine zusätzliche Programmierung nötig ist.

Um das PAC-Konzept ist es in Deutschland nach wie vor recht still. Kommt es nicht richtig aus den Startlöchern, oder sind PACs in anderen Ländern häufiger anzutreffen als in Deutschland?

Vor allem in Asien und Nordamerika nutzen die Endanwender den PAC-Begriff schon oft. In Europa dagegen und ganz besonders in Deutschland ist er bislang eher selten zu hören. Hier spielen zwei Aspekte eine Rolle: Einerseits ist gerade in Deutschland der Begriff der SPS stark verwurzelt, so dass viele Anbieter lieber von einer um Funktionen erweiterten SPS sprechen, als den noch etwas exotisch wirkenden PAC-Begriff ins Verkaufsgespräch einzubringen. Andererseits spielt das Verhalten des Marktführers natürlich eine Rolle, zumal wenn er eine so dominante Stellung hält wie Siemens in Deutschland. Siemens verfolgt seit gut zehn Jahren das Konzept der Totally Integrated Automation (TIA) und redet lieber darüber als über PAC.

TIA und PAC haben sogar vieles gemeinsam, vor allem was die Integration verschiedener Automatisierungsgeräte betrifft. Direkt vergleichbar sind sie aber trotzdem nicht: TIA steht für durchgängige Kommunikation und eine Art Plug and Play unter Komponenten und bezieht sich auf alle Aspekte der Automatisierungs- Hard- und -Software. PAC dagegen verweist auf eine einheitliche Plattform für unterschiedliche Steuerungsaufgaben, einheitliche Tools und einen direkten Zugriff auf Daten anderer Anwendungen ohne zusätzlichen Aufwand.

Bieten die Automatisierungstechnik-Hersteller im deutschsprachigen Raum keine PACs an oder verwenden sie nur den Begriff nicht?

Doch, sie verwenden ihn durchaus. GE Fanuc Automation hat den PAC-Begriff in den Namen einer Steuerungs-Plattform aufgenommen; sie heißt »PACSystems«. Mitsubishi Electric hat in diesem Frühjahr erstmals die »iQ Automation Platform« präsentiert. Beide Produktserien sind reinrassige PACs. Rockwell Automation hat schon vor gut zehn Jahren die »ControlLogix«-Plattform als eine der ersten PACs auf den Markt gebracht. Auch National Instruments hält mit dem System »CompactRIO« die PAC-Fahne hoch. Viele Steuerungen der S7-Familie von Siemens sind meiner Ansicht nach PACs. Auch PC-gestützte Steuerungen von Beckhoff Automation oder anderen Anbietern lassen sich als PACs betrachten, wenn sie mehrere gut integrierte Steuerungsaufgaben unterstützen.