Industrielle Bildverarbeitung: Medizin, Verkehr und Sicherheit als Stabilitätsanker

Einen Umsatzrückgang von insgesamt 30 Prozent erwartet der VDMA für die deutsche IBV-Branche (Industrielle Bildverarbeitung) im Jahr 2009. Nicht alle Anbieter von IBV-Technik können dies jedoch aus ihrer Sicht bestätigen.

Nach langen Jahren stetigen Wachstums traf die Wucht der Wirtschafts- und Finanzkrise die erfolgsverwöhnte IBV-Branche hart und unerwartet. Die Bildverarbeitungs-Messe »Vision 2008« in Stuttgart war Anfang November noch ein Spiegelbild des Booms: Mit 292 Ausstellern und 6236 Besuchern war sie die bisher größte Vision.

Dann aber kam der Abschwung: Kundenbranchen wie Maschinen- und Anlagenbau oder Automobil zogen die IBV-Branche mit in die Tiefe. Momentan rechnet der VDMA-Fachverband Industrielle Bildverarbeitung für die Branche mit einem Umsatzrückgang von 30 Prozent im Jahr 2009. »Der dann erreichte Branchenumsatz wird voraussichtlich auf gut 845 Millionen Euro und damit auf das Niveau von 2003 zurückfallen«, kommentiert Dr. Dietmar Ley, Vorstandsvorsitzender des Fachverbands und im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der Basler AG. Mit einem schnellen Aufschwung rechnet Ley nicht: »Die Erholung wird nicht abrupt, sondern schrittweise in den nächsten Jahren kommen«, stellt er klar.



Bemerkenswert ist jedoch, dass der Umsatzrückgang bei den einzelnen IBV-Unternehmen sehr unterschiedlich ausfällt. Die Firma Wenglor Sensoric beispielsweise, die außer optoelektronischen Sensoren und induktiven Näherungsschaltern auch Vision-Sensoren herstellt, verbuchte im ersten Halbjahr 2009 tatsächlich ein Umsatzminus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für die zweite Jahreshälfte rechnet das Unternehmen mit Stagnation auf dem niedrigen Niveau der ersten sechs Monate.

Nicht viel besser stellt sich die Umsatzsituation bei Stemmer Imaging dar: »Für das neue Geschäftsjahr, das am 1. Juli begonnen hat, haben wir die Erwartungen im Vergleich zum Vorjahresziel aufgrund der derzeitigen Marktsituation um rund 20 Prozent reduziert«, betont Peter Stiefenhöfer, Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens. »Die Umsatzentwicklung für die kommenden Monate seriös vorherzusagen, ist aber aus meiner Sicht nahezu unmöglich, in Bezug auf den zeitlichen Verlauf ebenso wie auf die prozentuale Veränderung der Lage. Wir sind optimistisch, dass es in absehbarer Zeit wieder aufwärts gehen wird, und erwarten, mittelfristig wieder erheblich und über dem Marktdurchschnitt zuzulegen.«

Am Bildverarbeitungs-Software-Hersteller MVTec Software ist die Krise ebenfalls nicht vorbeigegangen: »Die IBV ist direkt abhängig vom Maschinenbau, so dass auch die Auftragslage bei MVTec stark vom internationalen Markt in dieser Branche abhängt«, erläutert Dr. Lutz Kreutzer, Manager PR & Marketing des Unternehmens. »Anfang des Jahres ist die Krise folglich auch bei MVTec angekommen.«

Günstigeres zu berichten weiß Ernst Rauscher, Geschäftsführer der Rauscher GmbH: »Nach dem sehr starken Geschäftsjahr 2008 mit einem überdurchschnittlichen Umsatzwachstum gegenüber 2007 erwarten wir für 2009 aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise einen Umsatzrückgang«, sagt er. »Das Minus wird bei uns jedoch geringer ausfallen als für die Branche insgesamt prognostiziert, weil wir eine sehr breite Kundenbasis in unterschiedlichen Märkten bedienen. So gibt es nach wie vor Branchen mit steigendem Bedarf, etwa Medizintechnik, Pharma und Security, die momentan die Einbrüche in anderen Branchen abfedern.« Ab der zweiten Jahreshälfte 2010 erwarte das Unternehmen wieder ein verstärktes Wachstum.

Kaum zu spüren bekommen hat die Krise bisher der Kamerahersteller SVS-Vistek: »Unsere Kunden aus dem Maschinenbau für die Automobilbranche sind massiv betroffen, was natürlich an uns nicht spurlos vorübergeht«, verdeutlicht Andreas Schaarschmidt, Direktor Vertrieb und Marketing des Unternehmens. »Andererseits haben wir frühzeitig auch nicht-industrielle Branchen wie Medizin und Verkehrswesen mit unserer Technik bedient. Dies hat sich in den vergangenen Monaten ausgezahlt: Es wurden Aufträge ‚reif’, und es gibt noch Phantasie für weiteren Erfolg bei der Bearbeitung der aktuellen Marktlage oder der Entwicklung ‚neuer Märkte’.« Kurzfristig habe das Unternehmen gute Chancen, auch in diesem Jahr sein Umsatzniveau zu halten oder sogar leicht zu erhöhen. »Mittelfristig sehen wir, wenn die Finanzbranche wichtige Hausaufgaben macht, sehr gute Wachstumsraten, zumal unsere Produkte in den momentanen Design-In-Prozessen sehr gut ankommen.«