Esperanto für den Maschinenbau

Der Maschinen- und Anlagenbau automatisiert fast alles – ausgenommen seine überbetrieblichen Abläufe. Mit Abschluss des BMBF-Projekts „myOpenFactory“ steht nun ein Standard für den elektronischen Datenaustausch zwischen ERP/PPS-Systemen zur Verfügung.

Der Maschinen- und Anlagenbau automatisiert fast alles – ausgenommen seine überbetrieblichen Abläufe. Mit Abschluss des BMBF-Projekts „myOpenFactory“ steht nun ein Standard für den elektronischen Datenaustausch zwischen ERP/PPS-Systemen zur Verfügung.

Der Anspruch des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Gemeinschaftsprojekts myOpenFactory ist groß: Zielsetzung des im Herbst 2007 abgeschlossenen Projekts ist, einen freien Standard für den elektronischen Datenaustausch zwischen verschiedenen ERP-/PPS-Systemen zur überbetrieblichen Auftrags- und Projektabwicklung zu definieren. Die Grundlage bildet ein Prozess- und Datenmodell, das die bis dato fehlende effiziente Unterstützung überbetrieblicher Abläufe praxisnah realisiert. Mit dem Projektabschluss stehen die bisherigen Festlegungen als „Public Available Standard PAS 1074“ zur Verfügung. Die einsatzfähige Lösung setzt auf Web-Technologien und Serviceorientierte Architekturen (SOA) auf.

Gerne wird SOA pauschal als universelle Lösung jeglicher Probleme dargestellt – selbst für solche, die beim Kunden überhaupt nicht auftauchen. Die Entscheidung, eine überdimensionierte Lösung zu vermeiden, führte zu einem interdisziplinären Projektteam: Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, Forschungseinrichtungen, Zulieferer wie Siemens und Festo sowie ERP-Anbieter wie Proalpha oder PSI-Penta. Diese Zusammensetzung half dem Konsortium, das eigentliche Problem bei der überbetrieblichen Auftrags- und Projektabwicklung zu verstehen:

Einerseits ist der Maschinen- und Anlagenbau immer mehr auf eine reibungslose Zusammenarbeit angewiesen, andererseits stützt sich der damit einhergehende Informationsaustausch selbst heute noch im Wesentlichen auf Telefon, Fax oder EMail. Eine übergreifende Planung und Statusverfolgung von Bestellungen und Aufträgen ist daher immer noch mit viel Handarbeit verbunden. Das Problem: Speziell für den Maschinen- und Anlagenbau existiert kein hinreichend flexibler Austausch-Standard, wie etwa VDA 4905 (Abrufauftrag) und 4913 (Lieferung) für die Automobilbranche.

Maschinenbau braucht flexiblen Standard

Die Problematik erschweren teilweise sehr unterschiedliche Ausgestaltungen für identische Prozesse in einzelnen Unternehmenstypen oder -kategorien: Die Bestellung variantenreicher Komponenten erfordert einen anderen Bestellablauf, als es bei Normteilen notwendig ist.

Diese unterschiedlichen Anforderungen führten zu verschiedenen oder zumindest flexiblen Lösungsansätzen. Aus dieser Erkenntnis heraus ergaben sich folgende Zielsetzungen für die myOpenFactory-Umsetzung:

  • Abbildung der wichtigsten Geschäftsprozesse in der Zusammenarbeit der Maschinen- und Anlagenbauer;
  • Aufbau von flexiblen Datenstrukturen;
  • einfache Nutzung des Standards bei geringen Einführungskosten;
  • Verwendung bestehender Standards;
  • für kleine wie große Unternehmen einsetzbar.

Auf den ersten Blick sind Zielkonflikte zu erkennen. Einfache Nutzung und gleichzeitige Flexibilität für große und kleine Unternehmen schließen sich eigentlich aus. Als Lösung dieses Zielkonfliktes hat sich die Zusammensetzung des Projektteams bewährt: Die Anwender-Fraktion traf eine pragmatische Auswahl der Geschäftsprozesse, die technischen Partner nutzten als Basis moderne und flexible Technologien auf der Basis von XML und Web-Services. Die Forschungsinstitute brachten den Ansatz eines über Features erweiterbaren Datenmodells ein.