Elektrische Automatisierung: Aufschwung trägt bis ins Jahr 2009

Rezession ist für die elektrische Automatisierungsbranche weiterhin ein Fremdwort. Neun Prozent Wachstum in 2007 und in diesem Jahr dürften es fünf bis sechs Prozent sein. Für 2009 rechnet der ZVEI immerhin noch mit zwei bis vier Prozent.

»2007 war schon ein gutes Jahr für die elektrische Automatisierungstechnik in Deutschland und auch das fast abgelaufene Jahr 2008 ist durchaus eine Erfolgsstory«, so Roland Bent, Mitglied des Vorstands des ZVEI-Fachverbands Automation. Die deutschen Unternehmen dieser Branche konnten 2007 ein Umsatzwachstum von neun Prozent auf 42,8 Mrd. Euro im Jahr 2007 verzeichnen. In den ersten drei Quartalen 2008 ist der Umsatz erneut gestiegen. »Alles spricht dafür, dass diese Entwicklung anhält, so dass wir bis zum Jahresende 2008 fünf bis sechs Prozent Wachstum erwarten«, ist Bent überzeugt. Der Auftragseingang der Unternehmen der elektrischen Automatisierungstechnik sei in den ersten drei Quartalen 2008 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um zehn Prozent gestiegen. Für nächstes Jahr prognostiziert Bent: »Das Wachstum wird sich daher auch 2009 fortsetzen, wenn auch mit zwei bis vier Prozent bis Jahresende weniger dynamisch.« 

Mit Optimismus und Vorsicht zugleich blickt die Automatisierungsbranche angesichts der Finanzmarkt-Turbulenzen in die weitere Zukunft. »Die Krise trifft uns dank verbesserter Eigenkapitalquote unserer Unternehmen eher mittelbar und weniger abrupt als andere Branchen. Wir schauen bereits auf die Zeit danach und erwarten, im Wettbewerb eher gestärkt als geschwächt aus der kommenden Konjunkturflaute  herauszukommen«, erklärt Bent. Zudem seien die Auftragsbücher je nach Branche noch für einige Zeit gefüllt. »Große Projekte werden nicht im Wochentakt vergeben oder zurückgezogen«, so Bent. Außerdem sei die Indistrie die so genannte reale Wirtschaft: »Die von uns geschaffenen Werte sind nicht virtuell, sondern Wirklichkeit.«

Der Export ist in den ersten acht Monaten 2008 um 7,2 Prozent auf 18 Mrd. Euro gewachsen. Mit einer Exportquote von 77 Prozent bleibt Deutschland der weltgrößte Exporteur elektrischer Automatisierungstechnik. Der Inlandsmarkt legte 2007 mit plus 12,6 Prozent noch stärker zu. In den ersten acht Monaten 2008 stieg die Inlandsnachfrage um weitere 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Importe wuchsen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erneut um 5,5 Prozent auf neun Mrd. Euro. »Dabei spielen zweifellos die Einfuhren deutscher Unternehmen aus eigenen ausländischen Produktionsstätten eine wachsende Rolle«, so Bent weiter.

Weiter positiv entwickelt hat sich der Arbeitsmarkt. Nach einem Anstieg um 7,3 Prozent im Jahr 2007 wuchs die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse im laufenden Jahr um weitere 3,7 Prozent auf nunmehr knapp 235.000. Die elektrische Automatisierungsindustrie hat damit in den ersten neun Monaten des Jahres 2008 rund 8.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Schwerpunktthema der Nürnberger Messe und auch der Aktivitäten des ZVEI ist der Einsatz von Internet-Technologie zur Automatisierung. Sie sei inzwischen weltweit akzeptiert. »Look and Feel sind überall vertraut«, betont Dr. Reinhard Hüppe, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Automation. »Grenzen sind jedoch beispielsweise bei dynamischen Anzeigen und Steuerungsaufgaben in Echtzeit.« 

Energie-Effizienz ist zentrales Anliegen des ZVEI. In einem »Weißbuch Energie-Intelligenz« hat der ZVEI die wichtigsten Fakten zu diesem Thema zusammengetragen. In vielen Fällen lasse sich – insbesondere bei elektrischen Antrieben – mit intelligenter Technik eine Amortisierungszeit von einigen Monaten bis wenigen Jahren realisieren. Durch Lifecycle-Betrachtungen der Kosten bei Nebenaggregaten wie Pumpen, Lüfter oder Zentrifugen ließe sich das schnell nachweisen. Antriebe können dabei einen wesentlich größeren Einspar-Beitrag bei elektrischer Energie liefern, als die bei Verbrauchern meist im Fokus stehenden Leuchten oder Kühlgeräte, belegt das Weißbuch.

Keineswegs verringert sieht der ZVEI den Mangel an technischem Nachwuchs. In einer aktuellen Ingenieurumfrage haben drei Viertel der antwortenden Unternehmen steigenden Bedarf an Elektroingenieuren genannt. »Schon heute schätzen einige ZVEI-Mitgliedsunternehmen die entgangenen Wachstumschancen auf ein bis drei Prozent des Umsatzes«, konstatiert Hüppe. Nachwuchswerbung sei daher eine der zentralen Aufgaben des Verbands.