Ins Smart Home hineinwachsen Digitalstrom: Intelligentes Wohnen wird Realität

Martin Vesper, Digitalstrom: »In Teilbereichen des Smart Home wird es weiter die unterschiedlichsten Protokolle geben, übergreifend wird aber alles über IP vernetzt werden. Damit muss man sich auf dieser Ebene über Interoperabilität auch keine Sorgen mehr machen.«
Martin Vesper, Digitalstrom: »In Teilbereichen des Smart Home wird es weiter die unterschiedlichsten Protokolle geben, übergreifend wird aber alles über IP vernetzt werden. Damit muss man sich auf dieser Ebene über Interoperabilität auch keine Sorgen mehr machen.«

Alle Geräte im Haushalt zu vernetzen, ans Internet anzuschließen und IP-Geräte zu integrieren – dieses Ziel hat sich Digitalstrom gesetzt. CEO Martin Vesper erklärt, welche Schwerpunkte Digitalstrom auf der IFA 2014 setzt und wie sich die Technik weiter entwickeln wird.

Was ist in Hinsicht auf das Smart Home in diesem Jahr anders als auf der IFA vor einem Jahr?

Was sich letztes Jahr erst andeutete, ist jetzt der große Trend auf der IFA: Die Geräte werden intelligent – und zwar alle. Nicht nur Fernseher und die gesamte Entertainment-Anlage werden im Heim vernetzt, sondern auch ganz einfache Geräte wie Wasserkocher oder Wasserhähne. Auf Basis der Vernetzung entstehen jetzt viele intelligente Anwendungen.

Können Sie ein Beispiel dafür geben?

Spontan fällt mir der Kochbot ein. Dabei handelt es sich um einen Algorithmus, der aus einem Rezept eine konkrete Handlungsanweisung für denjenigen herausdestilliert, der sich in der Küche um die Zubereitung kümmert. Der Kochbot sagt ihm beispielsweise, dass jetzt das Gemüse geputzt werden muss und stellt dazu auch gleich den vernetzten Wasserhahn an. Am Beispiel des Kochbots werden wir auf der IFA zeigen, wie sich aus teilstrukturierten Informationen Teilautomatisierungen realisieren lassen.

Auf den ersten Blick sieht das ein wenig verspielt aus…

…es zeigt vor allem, welche Fülle an intelligenten Anwendungen in ganz unterschiedlichen Bereichen denkbar ist. So zeigen wir auf der IFA, wie ein gehandicapter Mensch aus dem Rollstuhl heraus seine Wohnung steuern kann. Das funktioniert ganz einfach mit Standardgeräten, die untereinander intelligent verknüpft sind – extrem teure Sonderanfertigungen sind dazu nicht mehr nötig. Ist die Infrastruktur im Haus erst einmal installiert, dann lassen sich sehr viele hilfreiche Dinge einfach mit Software umsetzen – ohne große Investitionen. Ein wesentliches Element ist hierbei, dass sich das Haus auch über Sprache steuern lässt – ein Smartphone genügt. Das eröffnet wiederum weitere Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben im Alter bis zur besseren medizinischen Versorgung.

Das klingt einfach. Doch wie gut muss sich der Anwender mit dem System von Digitalstrom auskennen, um es zum Laufen zu bringen?

Das ist ein wichtiger Punkt und deshalb zeigen wir auf der IFA, wie einfach die Konfigurierung des Systems von Digitalstrom ist. Im Smart Home mit Digitalstrom muss der Kunde praktisch gar nichts über die technische Funktionsweise des Systems wissen. Auch die Elektriker und Installateure müssen sich in überschaubarem Umfang spezifisches Digitalstrom-Wissen erarbeiten. Zeit für umfangreiche Schulungen müssen sie nicht investieren. Im System erkennen sich alle verbundenen Elemente und konfigurieren sich quasi selbst. Auf der IFA zeigen wir auch eine neue Installationsanwendung über Spracherkennung: der Elektriker muss dem Gerät zukünftig nur noch sagen, was es machen soll. Die Vereinfachung in der Installation ist wichtig, damit das das System schnell Verbreitung findet.

Für die meisten Menschen steht zwar der Komfort an erster Stelle, wenn es um den Nutzen des Smart Home geht, dennoch sollte man die Aspekte des Energiesparens nicht vernachlässigen. Lassen sich Heizungen in das System integrieren?

Die Einbindung der Heizung ist ein wichtiger Aspekt, denn so lässt sich nicht nur Energie sparen, sondern auch der Komfort erhöhen. Wenn man in ein behaglich vorgeheiztes Wohnzimmer oder Bad kommt, dann ist das zunächst komfortabel. Wenn zudem die Heizung nicht durchläuft oder nach sehr ineffizienten Regelmechanismen gesteuert wird, wie das heute üblich ist, dann spart der Nutzer zusätzlich einen erheblichen Energiebetrag. Die Kunden erwarten heute, dass ein Anbieter von Hausvernetzung die Heizungssteuerung mit einbinden kann. Digitalstrom stellt dafür die Infrastruktur bereit. Wir entwickeln allerdings die Steueralgorithmen nicht selber, hier arbeiten wir mit Spezialisten zusammen.

Stehen Sie mit solchen Unternehmen nicht auch in Wettbewerb?

Wir sehen das als Ergänzung. Firmen, die in dem Bereich Heimvernetzung Produkte anbieten, sind ja eher gezwungen, die Hardware mit anzubieten, weil es derzeit kaum Infrastruktur im Haus gibt. Wenn Digitalstrom im Hause wäre, bräuchten viele Anbieter keine eigene Hardware mehr herstellen, sondern könnten sich auf das Thema Anwendungen und Software konzentrieren.

Wie kann Digitalstrom die Forderungen nach Datensicherheit und den Datenschutz erfüllen?

Zunächst einmal ist das Smart Home von vorne herein sehr viel sicherer als ein nicht vernetztes Haus. Im Smart Home kann man sich beispielsweise sehr gut gegen Einbruch oder Feuer schützen. Eine Hagelwarnung für das smarte Haus, wie wir ihn unseren Kunden als Service anbieten und natürlich auch auf der IFA zeigen, wäre in einem „normalen“ Haus ebenfalls unmöglich. Es ist aber sehr wichtig, dass wir die Anwender nicht nur vom Nutzen der Heimvernetzung überzeugen, sondern dass sie auch Vertrauen in die Technik haben. Wir müssen also dafür sorgen, dass Datensicherheit und Datenschutz gewährleistet sind. Nur dann wird sich der Markt entwickeln können. Das stellt aber aus meiner Sicht kein Hindernis dar. Weil die Geräte selber intelligent sind, lassen sich auf dieser Ebene schon Algorithmen nutzen, die die Geräte schützen. Sie können abnormale Situationen, beispielsweise Überlast, erkennen und entsprechend reagieren. Die Kommunikation läuft selbstverständlich verschlüsselt ab.

Das VDE-Institut hat kürzlich das erste Zertifikat für Sicherheit im Smart Home vergeben. Strebt Digitalstrom ein solches Zertifikat auch an?

Wir lassen unser System vom VDE Institut und weiteren Instanzen prüfen. Wie gesagt, es liegt uns viel daran, dass die potenziellen Anwender der Technik vertrauen können.

Und ein weiterer Punkt ist bezüglich des Datenschutzes auch interessant: Unser Geschäftsmodell besteht darin, die Infrastruktur, also die Hardware für die Heimvernetzung sowie Services anzubieten. Beides kostet etwas, so verdienen wir unser Geld. Unser Geschäftsmodell besteht nicht darin, unsere Produkte umsonst anzubieten und uns über den Verkauf von Kundendaten zu finanzieren.