Die Krise fördert PC-gestützte Bildverarbeitungssysteme

Das Branchenforum der Markt&Technik brachte es an den Tag: Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise bleibt auch für die technischen Trends in der industriellen Bildverarbeitung (IBV) nicht folgenlos.

So bringen Vision-Sensoren und PC-gestützte Bildverarbeitungssysteme intelligente Kameras (Smart Cameras) mit Embedded-PC zunehmend in Bedrängnis, und die Gigabit-Ethernet-Schnittstelle dringt immer schneller vor.

»Was wir besonders in Asien wahrnehmen: Bislang war es angenehm für große Unternehmen, eine High-End-Smart-Camera zu kaufen, wobei ich Systeme für 8000 oder 10.000 Dollar meine«, erläuterte Dr. Wolfgang Eckstein, Geschäftsführer von MVTec Software, auf dem Branchenforum »Industrielle Bildverarbeitung« der Markt&Technik. »Jetzt kommen die Einkäufer und sagen, das Ding kostet 10.000 Dollar - warum verwenden wir eigentlich ein solches System, wo doch ein PC, eine Kamera und ein Kabel viel preisgünstiger wären? Da sehe ich einen unerwarteten Trend: Alle sind bisher in Richtung High-End-Sensoren gelaufen, und nun gibt es eine Rückwärtsbewegung aus Kostengründen.«

Verantwortlich für den Trend ist, dass die Krise den schon zuvor spürbaren Druck auf die Preise sowohl für PCs als auch für Standard-Industriekameras noch einmal verstärkt hat: »Vor allem in Asien und speziell in Japan wird ein extremer Preiskrieg geführt, von dem am ehesten die Kamerahersteller betroffen sind«, betonte Eckstein. »Teilweise wird dort ein Viertel des Listenpreises direkt als Angebot zum Kunden geschickt. Die Frage ist, wie manche das auf die Dauer überleben können, sollte diese Entwicklung im laufenden Jahr noch nicht abgeschlossen sein, wovon wir ausgehen.«

Dr. Joachim Linkemann, Product Manager Components von Basler, bestätigte dies: »Bei einigen Kameraherstellern sehen wir, dass sie extrem hart an den Preis rangehen, dass Unternehmen, die bisher eher etwas über unseren Preisen gelegen haben, sie so stark senken, dass wir sagen: Huch, wo wollen die denn hin?«, führte er aus. »Um die eigenen Geschäfte zu halten, muss man dann wohl oder übel nachziehen. Das sind ganz gefährliche Entwicklungen, von denen wir hoffen, dass sie nicht weitergehen.«

Angesichts dessen überrascht es nicht, dass sich der Vormarsch der ebenso preisgünstigen wie praxisgerechten Gigabit-Ethernet-Schnittstelle verbunden mit dem Transport-Layer-Standard GigE Vision noch beschleunigt: »Die Durchsetzung von GigE Vision ist nicht nur PR, sondern Realität«, sagte Ernst Rauscher, Geschäftsführer der Rauscher GmbH. »Es ist zwar durchaus viel PR im Spiel, aber die Realität ist größer als die PR; wir sehen das eindeutig, wobei wir wirklich neutral sind, weil wir auch CameraLink-Framegrabber verkaufen.«

GigE Vision werde nicht nur von den Kameraherstellern vorangetrieben, sondern ganz klar auch vom Markt. »Die Kunden sagen: ›Ich will ein leicht anzusteckendes, preisgünstiges und langes Kabel‹ - die Kabellänge bei Gigabit Ethernet beträgt ja bis zu 100 Meter«, berichtete Rauscher. »In jedem Rechner, in jedem Laptop ist die Schnittstelle vorhanden, und ein Framegrabber ist nicht mehr erforderlich.«

Den vollständigen Forumsbericht zu den technischen Trends in der industriellen Bildverarbeitung lesen Sie im Thema der Woche »Bildverarbeitung« in der nächsten Ausgabe der Markt&Technik.