Das Messtechnik-Retrofit

Veraltete 19-Zoll-Technik raus, Universal-Messumformer rein. In der Erdöl-Raffinerie BP-Lingen wurden so schon mehrere hundert Temperaturmessstellen modernisiert.

Veraltete 19-Zoll-Technik raus, Universal-Messumformer rein. In der Erdöl-Raffinerie BP-Lingen wurden so schon mehrere hundert Temperaturmessstellen modernisiert.

Cracken, Destillation, Hydrofinieren, Rektifikation, Reforming – die Bezeichnungen für die Verfahren, mit denen Benzin, Kerosin und Chemie-Vorprodukte erzeugt werden, klingen nicht nur kompliziert, sie sind es auch. Bei den meisten Prozessen spielt das Erhitzen und Abkühlen des Erdöls und seiner Zwischenprodukte eine zentrale Rolle. Damit gehört die Temperatur zu den wichtigsten Prozessparametern in einer Raffinerie. „Waren Temperaturmessungen früher noch überschaubar, ist deren Anzahl mit der zunehmenden Automatisierung und Komplexität der Prozesse rasant angestiegen“, betont Holger Nitschke die Ausgangssituation bei BP Lingen. Nitschke betreut innerhalb der EMSR-Technik das Thema Temperaturmessung.

Die Erdöl-Raffinerie wurde 1953 in Betrieb genommen, in den 90er Jahren mit erheblichen Investitionen modernisiert und zum „Kraftstoffproduzenten“ umgebaut. Im Wesentlichen werden Otto- und Diesel-Kraftstoffe, Jet-Fuel, leichtes Heizöl und Chemie-Vorprodukte hergestellt. Heute beträgt die Verarbeitungskapazität etwa 4 Mio. Tonnen pro Jahr, der Nettoumsatz liegt bei rund 2 Mrd. Euro jährlich, den rund 600 Mitarbeiter erwirtschaften. Mit der hohen Fertigungstiefe können am Standort Lingen auch schwierige Rohöle verarbeitet werden. Voraussetzung dafür ist eine verlässliche und robuste Messtechnik, die dem Stand der Technik entspricht.

Umstellung in Etappen

Daher werden seit rund drei Jahren die in den 80er Jahren installierten Temperaturmessumformer nach und nach ausgetauscht. Dabei stellt BP Lingen die Interfacetechnik von der damals eingesetzten 19-Zoll-Technik auf Geräte für Hutschienen-Montage um. Nitschke begründet den Formatwechsel mit dem Preisunterschied zur 19-Zoll-Technik, der einfacheren Montage und der Flexibilität: „Wenn es notwendig ist, kann ich Hutschienen-Geräte verschiedener Hersteller ohne Probleme austauschen.“ Entschieden haben sich die EMSR-Spezialisten für den Temperaturmessumformer IM34 von Turck. Ausschlaggebend war neben dem Preis-Leistungs-Verhältnis die einfache Bedienung des Gerätes.

Die Modernisierung der Temperaturmesstechnik muss nicht zwangsläufig mit einer Neu-Installation der kompletten Messkreise verbunden sein. Mit der richtigen Technologie können die heutigen Anforderungen hinsichtlich einer einfachen, PC-gestützten Bedienung und oft auch einer Integration der Messtechnik in Asset-Management-Systeme via FDT/ DTM bereits durch den Austausch des Messumformers erfüllt werden. In der Vergangenheit wurden am Standort Lingen sehr viele Temperaturmessungen mit Thermoelementen (Typ K) realisiert. Daher sind gerade zu den älteren Anlagenteilen extrem viele Nickel-Chrom/Nickel-Kabel zwischen Messwarte und Anlage verlegt. „Der Messumformer muss diesen Thermoelement-Typ unterstützen, damit wir die komplette Verkabelung in der Anlage inklusive der Sensoren weiter nutzen können,“ erklärt Nitschke.