Das Asset Personal

Die Mitarbeiter sind vielfach das Rückgrat in der Produktion – auch bei einem hohen Automatisierungsgrad. Dennoch kommt der Mensch als „Asset“ bei der Optimierung von Fertigungsabläufen oft zu kurz.

Die Mitarbeiter sind vielfach das Rückgrat in der Produktion – auch bei einem hohen Automatisierungsgrad. Dennoch kommt der Mensch als „Asset“ bei der Optimierung von Fertigungsabläufen oft zu kurz.

Eine moderne Produktion glänzt mit minutiös abgestimmten Durchlaufzeiten und kurzen Totzeiten aufgrund optimaler Maschinenanordnungen innerhalb einer Fertigungsstraße. Doch was nutzt eine ausgeklügelte Fertigungsplanung, wenn für die Schicht zu wenig Mitarbeiter mit der notwendigen Qualifikation zur Maschinenbedienung eingeteilt wurden? Und ohne kurzfristig verfügbares Instandhaltungs-Personal gerät auch die beste Produktion bei einer Störung aus dem Takt. Die Konsequenz: Auch bei einem hohen Automatisierungsgrad und dem Einsatz von MES (Manufacturing Execution System) und ERP (Enterprise Resource Planning) bleibt die Ressource Personal der entscheidende Produktionsfaktor, den es wie eine Maschine oder ein Werkzeug in die Fertigung einzuplanen gilt. Dazu gibt es einige Personaleinsatzplanungs-Systeme (PEP), die den speziellen Anforderungen der „Ressource Mensch“ Rechnung tragen und dessen Integration in die Fertigungsabläufe optimieren helfen.

Der Qualifikations-bezogene Personalbedarf hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise

  • dem Produktionsplan,
  • dem jeweiligen Fertigungsprogramm
  • und vom Auftragseingang (Bestellungen und saisonale Schwankungen).

Daraus resultieren Bedarfsspitzen und -täler, die ein Produktionsleiter mit den zur Verfügung stehenden Mitarbeitern abzudecken hat. Die Bedarfsschwankungen sind in der Regel in Schichtplänen, Arbeitszeitmustern und tariflichen Vereinbarungen abgebildet. Die wichtigste Aufgabe eines PEP ist die Flexibilisierung des Personaleinsatzes. Die Grundlage dafür schaffen Funktionen wie

  • Ampelkonten für Mitarbeiter,
  • Schichtdienst-Management,
  • geregelte An- und Absagen von Schichten abhängig von der Auftragslage,
  • einfache Verlängerungen oder Verkürzungen von geplanten Schichten und
  • Fehlzeiten-Management.

Hinzu kommen eine qualifikationsbezogene Suche von Mitarbeitern und deren Einteilung entsprechend der anstehenden Aufgaben. Zudem sollte ein Ausbildungsmanagement integriert sein, das durch zyklische Rotation der Mitarbeiter auf definierten Arbeitsplätzen oder Maschinen dafür sorgt, dass der Qualifikationsgrad eines Mitarbeiters steigt. Bei Ausfall eines Mitarbeiters kann das PEP anhand der hinterlegten Einsatz-Historie einen qualifizierten Ersatz ermitteln und die Einteilung der Mitarbeiter planen.

Starre Schichtsysteme bieten wenig Spielraum für Flexibilisierungsmaßnahmen. Deshalb ist es wichtig, Arbeit und die Vergütung zu entkoppeln. Ein gebräuchliches Instrument hierfür sind Jahresarbeitszeitkonten. Diese haben den Vorteil, dass sich die Arbeitsleistung besser an Bedarfsschwankungen anpassen lässt. In der Praxis kommen aber häufig Schichtpläne zum Einsatz, die nur einen langfristigen Horizont abbilden und dabei teilweise auch Bedarfsschwankungen berücksichtigen. Aber was spricht dagegen, mehrere differenzierte Arbeitszeitmuster mit verschiedenen Gültigkeiten innerhalb eines Jahres in einen Jahresschichtplan zu kombinieren? Solche Flexibilisierungsmaßnahmen können die Anzahl der Freischichten erheblich reduzieren, ohne die arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu missachten, wie die notwendige Einhaltung von Ruhezeiten, Vorteile von vorwärts rotierenden Schichten sowie wenige Nachtschichten in Folge. Ebenso sind Stillstands- oder Revisionszeiten besser zu planen und transparent darstellbar.

Kopplung zum MES/ERP-System ist Pflicht

Unabdingbar ist die Integration in Planungssysteme wie ERP, MES oder PPS (Produktionsplanung und -steuerung). Gerade bei der Abarbeitung von Fertigungsaufträgen sind Personaleinsatzplanung und Arbeitszeiterfassung mit dem MES oder PPS eng verzahnt: Die Fertigungsaufträge, bestehend aus einzelnen Arbeitsgängen, werden im MES oder PPS geplant. Die Rückmeldungen der erledigten Arbeitsschritte laufen dort zusammen, um die Prozesse der nächsten Arbeitsschritte einzusteuern. Dazu benötigt die Produktionssteuerung die zeitbezogenen Daten, die in der Personaleinsatzplanung erfasst, bewertet und genutzt werden.

Umgekehrt liefern die Systeme die Basisdaten wie Auftragsvolumina und Liefertermine für die Einsatzplanung der Mitarbeiter. Zertifizierte Schnittstellen zu den gängigsten Anbietern wie SAP (R3 und NetWeaver) oder dem MES-System Hydra von MPDV sind deshalb essentiell. Die Interfaces sollten so konfiguriert sein, dass zeitbezogene Daten im MES direkt zu nutzen sind oder aus diesen Systemen online übertragen werden. Nur dann sind die notwendigen Echtzeit-Vergleiche der Planungsdaten mit den Istwerten realistisch und plausibel. Damit lassen sich die Reaktionszeiten bei Stillstand der Fertigung oder Ausfall eines Mitarbeiters minimieren. sk

Wilfried Butzer

ist Business-Consulting-Manager Personaleinsatzplanung bei Interflex-Datensysteme in Stuttgart.