Bildverarbeitung: Auf den Branchen-Mix kommt es an

Das Branchenforum der Markt&Technik machte die Folgen der Krise deutlich: Abgesehen von den generellen Umsatzeinbrüchen verfallen die Preise für Standard-Industriekameras. Andererseits eröffnet die Krise auch die Chance zur Umorientierung.

Mit Umsatzeinbußen von insgesamt 30 Prozent rechnet der VDMA-Fachverband Industrielle Bildverarbeitung für die deutsche IBV-Branche im Jahr 2009. Wie hoch aber der Umsatzrückgang eines bestimmten Unternehmens tatsächlich ausfällt, hängt hauptsächlich von den Kundenbranchen ab, für die es tätig ist. Zu schaffen macht die Krise vor allem denjenigen Firmen, die nicht schon zuvor in außerindustrielle Anwendungen wie Verkehr, Medizin sowie Sicherheits- und Überwachungstechnik eingestiegen sind. Besonders schwer haben es Unternehmen, die sich stark auf bestimmte Maschinenbau-Zweige sowie die Elektronik- und Halbleiter-Industrie spezialisiert haben.

»Bestimmte Branchen, die Bildverarbeitungstechnik einsetzen, etwa die Halbleiter- und Wafer-Industrie, verzeichnen Einbrüche von mehr als 50 Prozent – wir reden hier von 60 bis 70 Prozent«, betont Ernst Rauscher, Geschäftsführer der Rauscher GmbH. »Es gibt auch Firmen, die momentan kaum Aufträge haben. Auf der anderen Seite stehen Branchen wie die Medizintechnik, die praktisch keinen Einbruch registrieren.« Dr. Joachim Linkemann, Product Manager Components bei Basler, pflichtet ihm bei: »Halbleiter und Elektronik haben teilweise Einbrüche um 90 Prozent«, sagt er. »Wir haben Kunden gesehen, die nicht wussten, ob sie am nächsten Tag noch dort arbeiten – weltweit betrachtet. Andererseits gibt es Kunden, die das fast überhaupt nicht tangiert – Medizintechnik, Verkehrsüberwachung, intelligente Verkehrsleitsysteme.« Für die Bildverarbeitungstechnik-Anbieter komme es also darauf an, wie ihr Kunden-Mix gestaltet sei.



Dass die klassischen Absatzmärkte der IBV-Branche stark eingebrochen sind, bestätigt auch Thomas Schmidgall, Marketing Manager von IDS Imaging Development Systems: »In der Elektronik-Industrie haben wir Kunden, die Anfang des Jahres wirklich Null Auftragseingang hatten«, führt er aus. »Momentan entspannt sich die Lage dort wieder ein wenig, aber auf sehr niedrigem Niveau. Nicht-industrielle Anwendungen wie die Medizintechnik fangen das Ganze noch ab.« Auch Michael Noffz, Marketingleiter von Silicon Software, erwartet Kompensation nur von den Nicht-Machine-Vision-Branchen: »Der klassische Maschinenbau ist stark eingebrochen, und wie sich das Jahr letztlich darstellt, hängt von den OEM-Kunden außerhalb der Machine Vision ab«, sagt er.

Unberechenbar ist die Situation für die IBV-Branche aber auch dadurch, dass einige ihrer Absatzmärkte erst am Anfang der Krise stehen: »Wir haben Kundenbranchen, die bestehende Auftragsbücher abarbeiten und daher noch gut im Geschäft sind, bei denen aber ein sinkender Auftragseingang schon angekündigt ist«, erläutert Schmidgall. »Ein Beispiel ist die Bauwirtschaft, die wegen ihrer langen Auftragsabwicklungs-Zyklen noch die im letzten Jahr gewonnenen Aufträge abarbeitet. Während sich also bestimmte Branchen langsam wieder erholen, gibt es auch Branchen, die erst in der zweiten Jahreshälfte den Abschwung gespürt haben.« Die Prognose eines Rückgangs von 30 Prozent 2009 ist aus Schmidgalls Sicht »im Durchschnitt sehr realistisch«; bis zum Jahresende werde sich dies so fortsetzen.

Etwas optimistischer für das Gesamtjahr 2009 gibt sich Meinrad Simnacher, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung von Leutron Vision: »Im ersten Halbjahr hatten auch wir Umsatzeinbußen von etwa 30 Prozent, aber im zweiten Halbjahr dürften wir besser abschneiden, so dass wir insgesamt eher um 20 Prozent Minus liegen werden«, führt er aus. »Ich erwarte allerdings nicht, dass die Bestellungen dann schon wieder stark zunehmen. Eher gehe ich davon aus, dass unsere Kunden in den beiden ersten Quartalen verstärkt ihre Lagerbestände abgebaut haben.« Im ersten Vierteljahr habe es offenbar die Direktive gegeben, alles noch im Lager Vorhandene zu nehmen, um Kosten zu sparen. »Bei vielen Kunden ist dieser Effekt jetzt kompensiert, was uns zusätzlichen Umsatz beschert«, ergänzt Simnacher.

Etwas anders stellt sich die Situation bei Stemmer Imaging dar: Das überwiegend als Distributor tätige Unternehmen unterhält Niederlassungen in Frankreich, Großbritannien und der Schweiz. »In Deutschland hat unser Geschäft ebenfalls stark nachgelassen, aber in unserer britischen Niederlassung hatten wir ein gutes Wachstum, was uns in der Gruppe natürlich hilft«, verdeutlicht Peter Keppler, bei Stemmer Imaging Vertriebsleiter für Systemlösungen. »Dies liegt daran, dass in Großbritannien der Markt ganz anders strukturiert ist – das klassische Integratorengeschäft mit rein industrieller Ausrichtung ist dort bei weitem nicht so ausgeprägt wie in Deutschland.«