Belohnung für's Gehirn

Wissenschaftlich unterhaltsam: »Neurofinance« zeigt die Hintergründe der letzten Finanzcrashs aus Sicht der Neurowissenschaften. Es geht um Geld, Gefühl und die Frage, wie das Gehirn mit beidem umgeht.

In »Neurofinance« stellen die Autoren die Frage, warum wir Menschen so häufig Fehlentscheidungen treffen, wenn es um das Thema Geld geht; warum wir nicht aus den Börsen- und Finanzcrashs der vergangen Jahre lernen.

Elger und Schwarz gehen die Lösung von der wissenschaftlichen Seite aus an: Sie erklären fundiert und unterhaltsam, was die Neurowissenschaften heute über die Funktionsweise unseres Gehirns wissen und was das für unseren Umgang mit Geld bedeutet. Wie ein roter Faden zieht sich dabei der Fall des Finanzjongleurs Bernard Madoff durch die 239 Seiten. Jedoch nicht, um seine Verbrechen anzuprangern, sondern als Beispiel für Fehlentscheidungen - getroffen aus Vertrauen, Angst und Gier.

Unterteilt ist »Neurofinance« in zwölf Kapitel. Nach und nach erfährt der Leser mehr über vergangene Finanzkrisen und Börsencrashs, wie es dazu kam und warum dieselben Fehler mehrmals gemacht wurden. Durch Beispiele wie Bernard Madoff oder dem Spekulationsobjekt des 17. Jahrhunderts - Tulpenzwiebeln - führen die Autoren den Leser auf die zentrale Frage hin: Wieso kann unser Gehirn nicht mit Geld umgehen? Die Antwort ist einfach. Unser Gehirn ist ein soziales Organ, es wurde Jahrtausende lang auf bestimmte Reize aus dem physischen Leben geschult. Geld ist als Herausforderung für das Gehirn zu abstrakt und zu jung.

Um das Thema Geld zu verarbeiten, greift das Gehirn auf Informationen zurück, die das Gedächtnis, das Belohnungs- und das emotionale System liefern. Das Entscheidungssystem entschließt dann, was zu tun ist. Das Belohungssystem aber will den Erfolg in immer kürzeren Abständen und höheren Dosen. Die Vorsicht gerät ins Hintertreffen - Fehlentscheidungen sind dadurch leicht erklärt.

Im letzen Kapitel stellt »Neurofinance« gängige Börsenregeln auf den Prüfstand und entwickelt sechs neue Börsenregeln unter Berücksichtigung dessen, was im Gehirn wirklich vor sich geht:

  1. Lernen, dass Verluste zum Leben gehören.
  2. Belohnungssystem durch positives Denken aktivieren und so Zusammenhänge erkennen, die man sonst übersehen hätte.
  3. Ideen aus dem Unterbewusstsein akzeptieren und ausbauen.
  4. Gefühlsregister zur Entscheidungsfindung führen: Welche Gefühle in welchen Situationen führten zu welchen Ergebnissen.
  5. Lernen im Zusammenhang mit Finanzen setzt Erfolgserlebnisse voraus.
  6. Akzeptanz von Zufällen entwickeln und trainieren - nicht alles ist vorhersagbar.

    »Neurofinance« ist für die Shortlist des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2009 nominiert.


Neurofinance - Wie Vertrauen, Angst und Gier Entscheidungen treffen; Elger, Christian E.; Schwarz, Friedhelm
Rudolf Haufe Verlag; 1. Auflage; 239 Seiten; 24,80 Euro
ISBN-13: 978-3-448-09323-0