»Baugruppen selbst zu bestücken, hat fast nur Vorteile«

Der Automatisierungstechnik-Hersteller Jetter hat im vergangenen Jahr an seinem Hauptsitz in Ludwigsburg eine eigene SMD-Fertigung aufgebaut. Auch jetzt, angesichts der weltweiten Rezession, bereut das Unternehmen mit seinen etwa 210 Mitarbeitern die Investition keineswegs.

Jens Arnold, dort Produktionsleiter für elektronische Baugruppen, beschreibt, welche Erfahrungen Jetter mit der eigenen Fertigung gesammelt hat, und erläutert die Vor- und Nachteile, die die Investition für das Unternehmen mit sich bringt.

Welche Fertigungstiefe hat Jetter mittlerweile erreicht? Finden noch Fertigungsschritte auswärts statt? Wenn ja, welche?

Jens Arnold: Das Unternehmen ist seit jeher bestrebt, die komplette Fertigungstiefe der Produktion elektronischer Baugruppen abzubilden. Deshalb waren schon immer der Einkauf von Elektronikbauteilen, die Kommissionierung von Fertigungsaufträgen, die Montage von Fertiggeräten sowie die Endprüfung dieser Geräte als Kernkompetenzen im Unternehmen angesiedelt. Lediglich das Bestücken von Elektronikbaugruppen fehlte als erweiterte Kernkompetenz, das wurde jetzt auch erreicht.

Wie sinnvoll ist es, die Montage im eigenen Haus durchzuführen, aber die SMD-ertigung an einen Auftragsfertiger zu vergeben?

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht muss eine gewisse Bauteile- und Baugruppenanzahl gegeben sein, damit sich eine qualitativ hochwertige Baugruppenbestückung realisieren lässt. Jetter bestückte im vergangenen Jahr etwa 15 Millionen SMD-Bauteile und 1 Million THT-Bauteile auf 100.000 Baugruppen. Dies ist sicherlich ein Bauteilvolumen, bei dem es sich, neben vielen anderen positiven Effekten, auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht lohnt, die SMD- und THT-Fertigung »inhouse« durchzuführen. Dies sollte jedoch nicht der einzige Gesichtspunkt sein. Aus dieser erweiterten Kernkompetenz ergibt sich eine Reihe klassischer Win-Win-Situationen.

Welche Vor- und Nachteile hat die eigene Fertigung? Welche Entscheidungskriterien für oder gegen eine eigene Fertigung sehen Sie?

Die Vorteile einer eigenen SMD-Fertigung sind sehr umfangreich, gerade für Unternehmen wie Jetter, die viele Neuentwicklungen und kundenspezifische Lösungen erstellen. Durch die eigene Bestückung lässt sich die Durchlaufzeit von Prototypen stark verkürzen. Die Wege von der Produktion in die Entwicklungsabteilungen sind sehr kurz, was sich als enormer Vorteil für die Layout-Entwicklung herausgestellt hat. Plötzlich interessieren sich Hardware-Entwicklungsingenieure für die Prozesse in der Leiterplattenbestückung, Einkäufer für Bauteil- und Verpackungsformen, Montagearbeiter für Löttemperaturen sowie Lageristen für Verpackungsvorschriften feuchtigkeitsempfindlicher Bauteile.

Projekte wie die Wareneingangs- Scannung elektronischer Bauteile, die Rückverfolgbarkeit elektronischer Bauteile (Traceability), die durchgängige Einhaltung des MSL-Werts (Moisture- Sensitive-Level) von Bauteilen, die Gewährleistung der RoHS-Konformität von Baugruppen, die ESD-Regelung im Unternehmen und die Baugruppenabnahme nach der internationalen Richtlinie IPC-A-610 wären ohne die Kernkompetenz in Sachen Leiterplattenbestückung wesentlich schwieriger umzusetzen gewesen. Die von der IPC – Association Connecting Electronics Industries erarbeitete Richtlinie hat sich neben der deutschen DIN-Norm als Standard für elektronische Baugruppen etabliert.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil einer eigenen SMD-Bestückung liegt darin, dass das Prozess- Know-how im Hause ist. So sind beispielsweise die Parameter des Baugruppen-Lötvorgangs bekannt. Gerade im Zeitalter der bleifreien Lötung sind solche prozessrelevanten Daten von großer Bedeutung. Der größte Vorteil ist jedoch eine signifikante Qualitätsverbesserung. Die Prozessverantwortlichen der Firma Jetter haben im Rahmen einer intensiven Evaluierung der Produktionsmaschinen darauf geachtet, einen hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten. Als Nachteile zu nennen sind das hohe Investitionsvolumen und die erforderliche Verfügbarkeit qualifizierten Personals.