Aufstieg mit der Kommunikation

Moxa ist ein international tätiges Unternehmen, das seine Wurzeln in Taiwan hat. Groß geworden ist die Firma mit Systemen und Lösungen für die B2B-Kommunikation im Umfeld des PC. Justin Kao, Leiter der europäischen Business Unit, im Interview.

Herr Kao, die Gründung der Firma Moxa liegt nun 22 Jahre zurück, das erste Produkt war eine PC-Karte für acht serielle Schnittstellen. Moxa ist bis heute der Kommunikationstechnik treu geblieben. Wird sich Moxa künftig noch stärker im Bereich Wireless engagieren?

Justin Kao: Ja, wir werden den Bereich Wireless definitiv weiterhin entwickeln. Wir haben das Potenzial und die Wachstumsmöglichkeiten der Wireless-Technologien vor rund anderthalb Jahren erkannt und unsere Experten aus den verschiedenen Business Units zu einer eigenständigen Business Unit zusammengeführt. Heute hat das Thema Wireless weiterhin hohe Priorität, insbesondere was die Investitionen in F&E betrifft.

Taiwanische Elektronik-Unternehmen sind in aller Regel in der Nische groß geworden: Fertigungsdienstleistung, LC-Displays oder wie im Fall Moxa Kommunikation. Steckt dahinter eine planmäßige Wirtschaftspolitik oder sind dafür mehr oder weniger zufällige Marktentwicklungen verantwortlich?

Meiner Meinung nach steckt hinter dieser Entwicklung keine planmäßige Wirtschaftspolitik. Es hat ganz einfach damit zu tun, Gelegenheiten zu erkennen und zu ergreifen. Taiwan hat keine natürlichen Ressourcen, deshalb stützt sich das Land auf die Herstellung und den Export.

Die Herstellung von Elektronik-Artikeln ist eine Nische, die mit der Entwicklung des IT-Marktes einher geht. Sehen Sie, der IT-Markt hat sich in den letzten zwanzig, dreißig Jahren stark entwickelt, und Taiwan hat die Gelegenheit wahrgenommen und die Entwicklung zu seinem Vorteil eingesetzt. Moxa hat dies ähnlich gemacht, wir haben einfach rechtzeitig den Trend zur Ethernet-basierten IT erkannt. In Taiwan gibt es eine Menge IT-Experten. Viele von ihnen haben wir im Bereich F&E eingestellt und uns so die Möglichkeiten eröffnet, regelmäßig innovative Produkte anbieten zu können.

Justin Kao ist seit der Gründung im März 2006 Geschäftsführer der Moxa Europe GmbH. Der gebürtige Malaysier wurde am 11. September 1967 geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder (Zwillinge, sieben Jahre). Justin Kao studierte an der University of Bath in England Ingenieurwesen (Elektronik und Telekommunikation), bevor er seine Karriere bei Motorola in der Forschung und Entwicklung der HF-Technik begann. Danach wechselte er zu Hewlett Packard/Agilent, wo er zuletzt den globalen Geschäftszweig »Industrial Fiber Networking« leitete. Von 1993 bis 2000 arbeitete Kao in Hongkong, dort vornehmlich mit Kunden in China und Taiwan. Seit Juli 2005 ist er für Moxa tätig.

Moxa hat sich in mehr als 20 Jahren von einem kleinen Start-up-Unternehmen zu einem global tätigen Business entwickelt, das in mehr als 60 Ländern aktiv ist. Wie bewältigt das Management die Folgen des enormen Wachstums - seit 2002 immerhin mehr als 30 Prozent jährlich? Gibt es hier besondere Programme oder werden die Aufgaben mit dem Tagesgeschäft erledigt?

Das war in der Tat keine einfache Aufgabe. Wir haben innerhalb von vier, fünf Jahren das erreicht, was andere Unternehmen oftmals doppelt so viel Zeit kostet. Natürlich werden viele »kleine« Aufgaben im Tagesgeschäft erledigt, aber es gab und gibt, wie in anderen Unternehmen auch, spezifische langfristige Programme, die unseren Erfolg stützen. Die Dinge, die wir richtig und gut gemacht haben und weiterhin machen werden, sind aus meiner Sicht die folgenden.

Erstens glauben wir an professionelles Management. Deshalb stecken wir viel Zeit und Ressourcen in den Einstellungsprozess. Um so schnell wachsen zu können, benötigen wir internationale Mitarbeiter mit den richtigen Fähigkeiten, dem passenden »Cultural Fit«, unternehmerischem Denken in allen Positionen und ganz wichtig: mit Talent. Beispielsweise sind wir in Europa seit März 2006 von einer Person (das war damals ich selbst) auf heute 26 Personen angewachsen. Diese 26 Personen erwirtschaften rund 40 Prozent des weltweiten Moxa-Umsatzes.

Zweitens investieren wir in unsere Infrastruktur. Sowohl, was die Standorte angeht - im Oktober 2008 haben wir eine weitere Niederlassung für Europa in Paris eröffnet, und weitere sind für die kommenden Jahre geplant - als auch, was die IT-Systeme betrifft (ERP, CRM etc.). Ein Beispiel: Um global jederzeit flexibel auf den Markt reagieren zu können, müssen unsere Mitarbeiter in Unterschleißheim jederzeit Einblick in die Produktionssysteme in Taipeh haben können und umgekehrt. Ein großer Bereich ist natürlich die Kommunikation: Ohne Videokonferenz, Messenger und IP-Telefonie »geht bei Moxa weltweit nichts«.

Wie sind die Entwicklungs- und Fertigungskapazitäten von Moxa verteilt? Produziert Moxa auch selbst in anderen Ländern, etwa in Festland-China oder greift das Unternehmen auf Fertigungsdienstleister zurück?

Moxa nutzt ausschließlich Fertigungsdienstleister in Taiwan. Der Grund hierfür liegt in der Natur unseres Geschäfts: kleine Volumina, große Angebotsvielfalt. Wirtschaftlich ist es daher für uns sinnvoller, vor Ort in Taiwan fertigen zu lassen. Ein zweiter wichtiger Punkt sind die Qualität und Zuverlässigkeit unserer Produkte.

Hier ist durchaus ein Unterschied zwischen China und Taiwan festzustellen. Letztendlich geben wir das Thema Qualität aber nicht aus der Hand. Die gesamte Endmontage unserer Produkte, die endgültigen Funktionstests, die Einbrenn-Prozeduren sowie die Qualitätskontrolle finden in unserer Produktion in Taipeh statt.

Die internationale Ausrichtung von Moxa begann ganz offensichtlich mit einem Auftritt auf der CeBIT in Hannover im Jahr 1995. Zu dieser Zeit hatte sich Moxa an der Entwicklung des PC ausgerichtet und etwa Schnittstellen-Karten entwickelt, die unter Windows 95 liefen. In wenigen Jahren wird es die PC-Technik so nicht mehr geben; auf welche Geschäftsfelder wollen Sie sich in Zukunft stützen?

Das ist korrekt. Derzeit übernimmt TCP/IP den Ethernet-Markt. Die ganze Industrieautomatisierung stellt sich sehr schnell auf Ethernet und Wireless ein, deshalb haben wir auch eine Menge in diesen Bereich investiert. Wir sehen darüber hinaus eine immer stärker aufkommende Nachfrage für hochzuverlässige »Embedded Computing«-Lösungen.

Deshalb haben wir in unserer vor dreieinhalb Jahren gegründeten Business Unit »Embedded Computer« bisher jährlich eine über fünfzigprozentige Wachstumsrate verzeichnen können. Derzeit wird dieser Bereich in Europa stark ausgebaut. Wir werden künftig mehr Personal in diesem Bereich einstellen und bieten unseren Kunden bereits Lösungen an, die ihnen im täglichen Geschäft Mehrwert bieten, wie zum Beispiel solche, die zur Reduzierung der Entwicklungszeiten in Projekten beitragen.