Auf Jahre des Aufschwungs folgt 2009 wohl Stagnation

Im Bereich passiver Bauelemente sehen sich die Distributoren nach der Normalisierung der Lieferzeiten wieder einem Käufermarkt gegenüber. Nach geringer als erwartet ausfallenden Zuwächsen in diesem Jahr rechnet die Branche für 2009 mit Stagnation. In Kombination mit dem wieder erstarkenden Dollar dürften die gestiegenen Rohstoffpreise zu einer Verlangsamung des Preisverfalls bei passiven Bauelementen führen.

Im Bereich passiver Bauelemente sehen sich die Distributoren nach der Normalisierung der Lieferzeiten wieder einem Käufermarkt gegenüber. Nach geringer als erwartet ausfallenden Zuwächsen in diesem Jahr rechnet die Branche für 2009 mit Stagnation. In Kombination mit dem wieder erstarkenden Dollar dürften die gestiegenen Rohstoffpreise zu einer Verlangsamung des Preisverfalls bei passiven Bauelementen führen.

Allokation war gestern, die Distributoren im Bereich passiver Bauelemente blicken angesichts normalisierter Lieferzeiten mit wenig Euphorie ins Jahr 2009. Stagnation ist das, was sie für die Zukunft erwarten. Doch der Boom der letzten Jahre hat sich weder schlagartig abgekühlt noch ist er unter die Räder der jüngsten Finanzmarktereignisse gekommen. Vielmehr verlor die konjunkturelle Entwicklung bereits seit Anfang des Jahres Schritt für Schritt an Schwung. Zwar wollte zu Jahresbeginn noch keiner etwas von dem damals sehr populären Terminus der gefühlten Rezession wissen, doch der Markt hat sich zweifellos anders entwickelt, als es wohl die Mehrzahl der im Bereich der passiven Distribution tätigen Unternehmen noch vor zehn Monaten erwartet hat. Stellvertretend dafür steht wohl das Statement von Jean Quecke, Vice PresidentSales Europe bei TTI: »Das Jahr 2008 hat sich leider nicht so entwickelt, wie es Anfang des Jahres noch optimistisch erwartet wurde«. Einer extrem langen Sommerpause folgte aus seiner Sicht bislang ein flacher, stagnierender Markt. Der bis vor kurzem noch hohe Ölpreis und der bis August noch starke Euro hätten Exporte aus dem Dollarraum einfacher und wesentlich attraktiver gemacht. Angesichts dieses Szenarios geht Quecke von einer Stagnation für 2009 aus.

Nicht wirklich zufrieden mit dem bisherigen Geschäftsverlauf zeigt sich auch Dr. Mathias Würth, bei Endrich verantwortlich für Marketing und Sales: »Wir waren mit dem bisherigen Verlauf nicht so zufrieden, es gab sowohl einen Rückgang im Umsatz wie auch im Auftragsbestand «. Die aktuelle Verfügbarkeit passiver Bauelemente am Markt bezeichnet er als hoch. Für die Distribution passiver Bauelemente rechnet er aber mit einer deutlichen Eintrübung des gesamten Umfelds. »Wir sehen derzeit maximal eine Seitwärtsbewegung, mit dem Risiko einer Abschwächung «, erläutert er seine Einschätzung der zukünftigen Marktentwicklung, »gleichzeitig gehen wir davon aus, dass die gestiegenen Rohstoffpreise und die erhöhten Fertigungskosten in Fernost zukünftige Preiserhöhungen wohl unumgänglich machen «.

In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass es nicht nur das Wechselkursverhältnis Euro-Dollar ist, das in Zukunft von entscheidender Bedeutung vor allem für den Bereich passiver Bauelemente sein wird. »In den letzten Monaten werden wir zunehmend mit einem neuen währungstechnischen Phänomen konfrontiert«, berichtet er, »der Währungsschwankung zwischen dem chinesischen RMB und dem Dollar«. Aufgrund der Tatsache, dass der RMB immer stärker werde, würden die Preise für die in Dollar gehandelten Waren aus China steigen. »Es gibt einige chinesische Partner, die leider in der Vergangenheit sehr knapp kalkuliert haben«, stellt der Endrich-Manager fest, »die nun ihre Preise anheben müssen«. Noch zufrieden mit der Geschäftsentwicklung der letzten Monate zeigt man sich bei Spoerle. »Wir liegen noch über dem Niveau des Vorjahres«, berichtet Christoph Kollmann, Marketing Group Manager Passiv Design-In, »allerdings nicht so gut, wie ursprünglich geplant«.

Zwar geht er davon aus, dass Spoerle auch im nächsten Jahr beim Geschäft mit passiven Bauelementen noch weiter zulegen kann, »wir sind uns allerdings sicher, dass der Markt im nächsten Jahr nur sehr geringes Wachstum bringen wird«. Auch er bestätigt, dass sich der wieder stärker gewordene Dollar in Verbindung mit höheren Rohstoffkosten und Energiepreisen bemerkbar macht. »Tendenziell steigen die Preise deshalb«, stellt er nüchtern fest, »da auch die Lohnkosten in Fernost steigen, wird sich das zusätzlich negativ auf die Einkaufspreise dort auswirken«. Reinhard Meyer, Geschäftsführer von RMComponents, erhofft sich von einem steigenden Dollar eine Reduzierung des Preisverfalls bei passiven Bauelementen. »Stückzahlenmäßig haben wir in diesem Jahr um 40 Prozent zugelegt «, berichtet er, »auf der Umsatzseite waren es dagegen höchstens um die 5 Prozent«. Der Preisverfall der letzten Jahre hat sich in seinen Augen deshalb auch 2008 fast ungebremst fortgesetzt. »Wir wären ja schon zufrieden, wenn die Preise nicht weiter sinken würden«, formuliert er seine Wünsche für 2009, »stabile Preise und ein Stückzahlwachstum von 20 bis 30 Prozent, das wäre schön«!

Allenfalls mit einem bescheidenen Wachstum rechnet Thomas Jell, Sales Manager Passive Components bei Codico: »Ein wieder steigender Dollar, aber auch der wieder stärker werdende JPY, ziehen letztlich steigende Preise nach sich«. In puncto Liefersituation ist er sich mit seinen Kollegen einig: »Es gibt nach wie vor einzelne Bereiche, wie etwa Folienkondensatoren, aber auch bestimmte Elektrolyt- Gehäuse, die sich durch relativ hohe Lieferzeiten auszeichnen «. Im Gegensatz dazu habe sich die Situation bei High- Caps und SMD-Elkos in den letzten Monaten spürbar entspannt. Im Idealfall, so die Distributoren, bewegen sich die Lieferzeiten je nach Produktbereich zwischen 4 und 20 Wochen und damit auf dem Niveau langjähriger Durchschnittswerte. Probleme könnte es nach Einschätzung von Quecke in Zukunft eventuell bei den Lieferzeiten für Tantalkondensatoren geben. Keine allzu großen negativen Auswirkungen wird nach Einschätzung der befragten Distributoren auch die aktuelle Schwäche der Automobilindustrie auf die Distribution passiver Bauelemente haben. Allein die weitere Durchdringung des Autos mit neuen elektronischen Lösungen und Subsystemen werde diese Schwächephase ausgleichen. Auch Marktentwicklungen wie die Übernahme von Siemens VDO durch Continental sehen die Distributoren eher positiv, als dass sie über eine Dezimierung der Käuferseite klagen. »Wir sehen das absolut positiv und hoffen, dass dadurch ein auch weltweit noch schlagkräftigerer Partner entstanden ist«, gibt etwa Dr. Würth die Einschätzung der Branche wieder.

Für die Distributoren dürfte das Automotive-Geschäft aber sicherlich nicht die Bedeutung haben wie für die Hersteller. Die beliefern Kfz-Elektronik- Kunden nach wie vor gerne persönlich. Aber auch Tier-2- und Tier-3-Lieferanten dürften im Automotive-Geschäft durchaus noch für interessante Geschäfte stehen. Fazit: Für die Kunden herrschen derzeit fast wieder paradiesische Verhältnisse am Markt. Fast alle Bauteile sind in usreichendem Maße schnell verfügbar, die Lager der Distributoren sind gut gefüllt. Wer nach der Rettung des internationalen Finanzsektors mit einer wieder anziehenden Konjunktur für 2009 rechnet, für den dürften die Rahmenbedingungen für langfristige Lieferverträge derzeit fast optimal sein. Andere werden wohl eher darauf spekulieren, dass sie wieder erst kurz vor knapp bestellen, schließlich ist ja fast alles wieder ab Lager lieferbar. Völlig zum Käufermarkt entwickeln dürfte sich die Distribution passiver Bauelemente spätestens dann wieder, wenn sich trotz steigender Rohstoffpreise und eines wieder stärker werdenden Dollars, das Thema Preiserhöhungen angesichts des sich wieder verschärfenden Wettbewerbs von selbst erledigt.

Engelbert Hopf, Markt&Technik