Auf der sicheren Seite

Arbeitsunfälle sind der blanke Horror für jeden Unternehmer: Mitarbeiter fallen aus, die Arbeit bleibt liegen, miese Stimmung in der Belegschaft, der Ruf ist ramponiert. Aber wer blickt bei all den Vorschriften und gesetzlichen Auflagen noch richtig durch? Experten raten zur Einrichtung eines Arbeitsschutzmanagementsystems. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht.

Arbeitsunfälle sind der blanke Horror für jeden Unternehmer: Mitarbeiter fallen aus, die Arbeit bleibt liegen, miese Stimmung in der Belegschaft, der Ruf ist ramponiert. Aber wer blickt bei all den Vorschriften und gesetzlichen Auflagen noch richtig durch? Experten raten zur Einrichtung eines Arbeitsschutzmanagementsystems. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht.

Nicht zuletzt auf Drängen der EU wurden die gesetzlichen Arbeitsschutzvorschriften in den letzten Jahren ständig ausgeweitet. Vor allem in Deutschland. Vielen Unternehmen bleibt deshalb gar nichts anderes übrig, als speziell geschulte Kräfte für Gleichstellung, Datenschutz und Arbeitssicherheit zu beschäftigen. Zumindest aber dem einen oder der anderen Werktätigen einen Extra-Hut aufzusetzen und auf ein Fachseminar zu schicken.

Was viele Unternehmer entweder nicht wissen oder schlicht verdrängen: Alle Firmen, selbst Miniaturbetriebe mit einem einzigen Mitarbeiter, müssen der Gewerbeaufsicht die Bestellung einer staatlich geprüften Fachkraft für Arbeitssicherheit nachweisen. Konzerne haben dafür ein Team von hauptamtlich tätigen Ingenieuren, im Mittelstand schultern fachkundige Techniker und Meister diese Aufgabe zumeist nebenberuflich. Kleine Betriebe buchen stundenweise die Sicherheitsexperten eines überbetrieblichen Dienstleisters wie zum Beispiel TÜV oder Dekra. Oder sie ignorieren die gesetzliche Auflage komplett, nach dem Motto: Wo kein Kläger, da kein Richter.

»Eine gute Idee ist das nicht«, warnt Josef Merdian, Experte für Arbeitsschutz bei der Berufsgenossenschaft in Nürnberg. Denn wenn die Gasleitung explodiert, der unsachgemäß aufgestellte Tischkopierer einen Fußknochen zermalmt, sich der Lötkolben in den Unterarm frisst und dann womöglich noch der Erste-Hilfe-Kasten unauffindbar ist, dann steht der Unternehmer – und mit ihm die zuständige Führungskraft! – mit einem Bein im Gefängnis. Und mit dem anderen im Schuldturm. Der Nachweis von bewusster oder auch nur fahrlässiger Vernachlässigung von Arbeitsschutzvorschriften führt regelmäßig zu saftigen Geldstrafen.

Für Laien ist es freilich schwer, bei der Vielzahl der geltenden Regelungen den Überblick zu behalten. Den bloßen Rahmen liefert die ISO-Norm 18001, in der die Belange des Arbeitsschutzes festgeschrieben sind. Analog zur ISO-Qualitätsnorm 9001 und zur ISO-Umweltnorm 16001, die in vielen Betrieben zur Bildung von Qualitäts- und Umweltmanagementsystemen geführt haben, entstehen derzeit in vielen Unternehmen Arbeitsschutzmanagementsysteme.

Doch wer jetzt schon ein weiteres bürokratisches Monster aufmarschieren sieht, kann beruhigt sein: Im Grunde meint das Wortungetüm nur, dass im Betrieb schriftlich dokumentiert sein muss, wer was im Falle eines Falles zu tun hat. ISO eben.

Frank Watzl, Fachkraft für Arbeitssicherheit in einem Unternehmen der Steuer- und Regelungstechnik in Heidelberg, versteht das Bauchgrummeln der Chefs angesichts des nächsten vor der Tür stehenden Managementsystems. So schlimm sei das aber gar nicht, meint er, außerdem wögen die Vorteile deutlich schwerer: »Die Kernaussage des Arbeitsschutzmanagements lautet: Ich, der Unternehmer, will, dass meine Mitarbeiter keine Unfälle im Betrieb erleiden und dadurch krank werden. Darunter leiden nämlich die Qualität der Arbeit und deren rechtzeitige Fertigstellung. Außerdem verursachen Krankheiten Kosten, das Renommee des Unternehmens wird beschädigt und die Mitarbeitermotivation sinkt. Letztlich komme ich als Unternehmer damit den gesetzlichen Auflagen nach, bin also auf der sicheren Seite, falls doch mal etwas passiert.« Das klingt plausibel.