Achtung, Reizwort: Fach-kräfte-mangel!

Wer trockenes Brot verschmäht, weil der Schinken alle ist, hat auch keinen richtigen Hunger. Ich bezweifle genauso wie Sie, liebe 65.000 arbeitslose Ingenieure, dass es sich bei dem alle Jahre wieder beklagten »Fachkräftemangel« um einen echten »Mangel« handelt.

Diejenigen unter Ihnen, die schon über 50 sind, könnten viel dazu beitragen, all die Ideen der jung-dynamischen »Think Tanks« auf die Straße zu bringen. Also Geld damit zu verdienen. Weil Sie es schon mal gemacht haben!

Obwohl Sie öfters mal das Zipperlein plagt. Und obwohl Sie (mit Kindern, Haus?) laut Gesetz mehr Schutz genießen als Ihr junger, lediger Berufsanfänger-Kollege, der genauso lange dabei ist. Obwohl Ihr neuer Arbeitgeber wahrscheinlich erst mal wieder in Ihre Fortbildung investieren muss. (Sie tun doch hoffentlich auch Ihr Möglichstes, um am Ball zu bleiben?)

Aber Ihr potenzieller Arbeitgeber traut sich nicht. Lieber verzichtet er auf die Besetzung einer offenen Stelle, bevor er eine vermeintlich folgenschwere Fehlentscheidung trifft: Sie einzustellen und dann nicht mehr loszuwerden. Davor, liebe ältere Arbeitslose, haben die Firmen nämlich am meisten Angst – noch mehr als vor unmotivierten, von Sparprogrammen geplagten Mitarbeitern.

Mal sehen, wie schnell die Motivation der Unternehmen nun weiter sinken wird, etwas gegen ihren Fachkräftemangel zu tun. Die von der alten Bundesregierung im Zuge der Hartz-Reformen eingeführten, unbeschränkt befristeten Arbeitsverträge für Ältere sind nämlich erst mal Essig, weil illegal. Der Europäische Gerichtshof hat sie abgeschmettert, weil sie nicht im Einklang mit dem Diskriminierungsverbot stehen.